Die Überwachung von Vitaldaten wie Pulsrate und Schlafqualität durch Wearables ist zwar aufregend, kann aber auch belastend sein. In der Kolumne «Hauptsache, gesund» wird dies beleuchtet. Ich zähle mich nicht zu den Frühaufnehmern von elektronischen Gadgets; doch seit einigen Wochen trage ich eine Smartwatch. Meine Neugier für die Gesundheits- und Fitnessfunktionen war groß, insbesondere nachdem mein Arzt empfohlen hatte, sie zur Herzüberwachung zu nutzen – viele Uhren können ein EKG aufzeichnen. Ich entschied mich für ein kompakteres und preisgünstigeres Modell und überwache nun detailliert zahlreiche Vitalparameter: Pulsrate, Sauerstoffsättigung im Blut, Hauttemperatur – wertvoll für Informationen zum Eisprung, wäre ich weiblich. Zudem zählt die Uhr meine Schritte und analysiert meinen Schlaf; letztere ergab eine Tiefschlafkontinuität von nur 66 Punkten. Um die Bedeutung dieser Werte zu verstehen, müsste ich tief in Forschungen eintauchen – mit der Gefahr, dass mir meine Uhr eine Ermahnung schickt: «Du bist für 48 Minuten eingeschlafen. Zu lange Nickerchen können den nächtlichen Schlaf beeinträchtigen.» Die Überwachung meiner Körperfunktionen ist spannend und nahezu süchtig machend: Kann ich heute noch die 10 000 Schritte erreichen? Ein Ansporn für gesündere Gewohnheiten ist dabei unbedenklich, doch das Tracking kann zwanghaft werden. «Tracking Anxiety» und Orthosomnie, eine übermäßige Beschäftigung mit perfektem Schlaf, sind in Studien untersucht. Ich bin noch nicht so weit, aber ich sehe die zusammengefassten Daten auf meinem Handy häufiger an und verliere damit Glaubwürdigkeit bei meinen Kindern. Diese Fixierung erinnert mich an meine Erfahrungen mit einem Fahrradcomputer, den ich mir einst als Rennradneuling zugelegt hatte. Stattdessen von der Landschaft zu faszinieren, machte es schwer; stattdessen war ich auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 km/h fixiert. Das Ziel motivierte sicherlich, verstellte aber das Wesentliche: die Freude am Radfahren in der Natur. Den digitalen Tacho habe ich abmontiert. Ob dies auch bei meiner Smartwatch passieren wird, bleibt abzuwarten.