Der neueste Trend im Wintersport ist ein 6 mal 11 Meter großer Teppich, der wie eine überdimensionale Seilbahn funktioniert: steil geneigt, stetig bergab bewegend und mit Wasser benetzt für optimalen Gleitkomfort. Bis zu vier Personen können gleichzeitig darauf fahren; Geschwindigkeit und Neigung sind variabel, sodass Technik und Rhythmus perfektioniert werden können. “In 20 Minuten lassen sich bis zu tausend Schwünge vollführen – das ist mehr als an einem Tag auf dem Gletscher”, erläutert Marco Rast gegenüber SRF. Er ist einer der Initiatoren des Projekts in Ennenda, wo bereits ähnliche Anlagen in Saillon VS und Sigirino TI existieren.
Das Projekt entstand aus der Notwendigkeit heraus, eine kostengünstigere Alternative zu teuren Gletschertrainings oder Reisen ins Ausland anzubieten. “Sommertrainings auf Schnee sind wegen des Klimawandels, steigender Kosten und körperlicher Belastung zunehmend schwieriger”, erläutert Rast, der selbst Mitglied im Skiclub Egg im Zürcher Oberland ist und zwei sportbegeisterte Kinder hat. Der Teppich soll Nachwuchsathleten eine nahegelegene und umweltfreundlichere Trainingsmöglichkeit bieten.
Die Halle richtet sich primär an Sportvereine sowie regionale und nationale Leistungszentren. Im Sommer sind Gruppenstunden und Abo-Modelle geplant; bis zu vier Kinder können gleichzeitig trainieren, während die anderen Geräte nutzen oder aufwärmen. Während der Wintermonate steht sie Privatpersonen und Firmen offen – ideal auch für Sportlerinnen und Sportler nach Verletzungen, um ohne unebene Pistenbedingungen wieder in Form zu kommen.
“Der Teppich ersetzt den Schnee nicht”, betont Rast. Dennoch ermöglicht er ein effizientes Technik-Training unter konstanten Bedingungen – ohne Wartezeiten und Liftfahrten. Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist es ein wertvolles Werkzeug zur Festigung der Grundlagen.
Ein künstlicher Schneepisten in einer Halle wäre laut Rast zu teuer und ökologisch problematisch. Der Teppich verbraucht nur rund 20 Liter Wasser pro Stunde an heißen Tagen und benötigt keine Kühlung, wodurch der Energieverbrauch gering bleibt – eine deutlich nachhaltigere Lösung als vergleichbare Anlagen im Ausland.
Während Ski-Hallen in Europa häufig von Profis genutzt werden, sind künstliche Pisten in Ländern wie den Niederlanden und Frankreich fester Bestandteil der Sommer-Vorbereitung vieler Weltcup-Fahrer. Die bekannte Anlage in Dubai richtet sich dagegen mehr an Schnee-Neulinge und Familien.
Der Teppich kostet rund 200’000 Franken, die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf etwa 380’000 Franken. Für Garderoben, Duschen und Aufwärmzonen läuft ein Crowdfunding über 60’000 Franken; bereits mehr als die Hälfte ist zugesagt. Weitere Kosten entstehen durch Miete, Strom und Coaches, wobei Sponsoren zusätzliche Unterstützung gewähren sollen. Die Anlage wird von einer holländischen Firma gefertigt und Mitte Mai nach Ennenda geliefert. Die Eröffnung der Skihalle ist für Mitte Juni geplant.