Der französische Maler Gustave Moreau, bekannt für seine sinnlichen Darstellungen mythischer Szenen, stellte die Kunstgeschichte vor Herausforderungen. Seine kritiklos verehrten Fans und harschen Kritiker teilten sich in der Bewertung seiner Werke, die Göttinnen, Todesengel und Sirenen zeigten. Moreau bildete eine Verbindung zwischen Henri Matisse und Eugène Delacroix, indem er als Schüler von Théodore Chassériau – einem Nachfolger Delacroix’ – wirkte.
Moreaus Geburt vor 200 Jahren am 6. April verlieh der Kunst neue morbide Traumwelten. Er galt als schwierig zu klassifizierender Künstler, den man als Symbolist und Vorläufer des Surrealismus bezeichnete. Moreau schuf nicht die realen Szenen seines Umfelds ab, sondern tauchte in eigene imaginäre Welten ein.
1864 erlangte Moreau mit dem Werk “Ödipus und die Sphinx” große Aufmerksamkeit. Dieses Gemälde zeigt einen Jüngling vor einer Sphinx in antikisierender Felslandschaft, deren Blicke hypnotisch aufeinander treffen. Obwohl es bei Dandys und Aristokraten Anklang fand, spotteten Kritiker wie Émile Zola darüber als Ablehnung der modernen Welt.
Paul Gauguin kritisierte Moreaus Prunk: “Er klebt zu sehr an materiellen Dingen.” Tatsächlich überhöhte Moreau den weiblichen Körper mit Juwelen, so wie bei seiner Darstellung der tanzenden Salome. Seine Arbeiten wurden als Opiumträume bezeichnet, doch er sah sich selbst im Geiste des mythischen Orpheus und widmete sich intensiv dessen Figur.
Moreau verband in seinen Werken Sinnlichkeit mit Mythos und Kunst, wie bei der Darstellung des toten Orpheus. Seine Arbeiten wurden zu hohen Preisen gehandelt, wobei sein gesamter Nachlass dem französischen Staat vermacht wurde und heute im Musée Gustave Moreau in Paris zu sehen ist.
Nach seinem Tod geriet er aus der Mode, bis die Surrealisten wie André Breton seine mystische Kunst wiederentdeckten. Seine Schüler, darunter Henri Matisse, schätzten seinen leidenschaftlichen Unterricht. Odilon Redon sah in Moreau einen modernen Künstler.
Moreaus späte “abstrakte Studien” wiesen bereits wegweisende Ansätze hin, die jedoch keinen direkten Einfluss auf die abstrakte Kunst hatten und erst nach seinem Tod Anerkennung fanden.