Im Val d’Hérens, nahe dem Bergsteigerdorf Arolla auf 2000 Metern Höhe mit seinen 50 Einwohnern, herrscht seit einigen Wochen keine Idylle mehr. Militärlastwagen transportieren Material von Sitten nach Arolla, und die Armee hat ihr Lager bei Container- und Holzkisten im Schnee eingerichtet. Mehrere Helikopter landen auf einer benachbarten Fläche, beladen sie und steigen dann über das Dorf hinweg in Richtung Berge auf.
Die Vorbereitungen drehen sich um die Patrouille des Glaciers, eines der weltweit bekanntesten Skitourenrennen. Obwohl es ursprünglich ein Militärrennen war, sind Zivilteilnehmer ebenfalls zugelassen. Alle zwei Jahre findet das Ereignis statt; in den kommenden vier Tagen stehen Rennen an. Die anspruchsvollste Strecke führt über Nacht 57,5 Kilometer von Zermatt nach Arolla und endet schließlich in Verbier, mit einem Höhepunkt auf der Tête Blanche (3706 Meter). Ziel der Armee ist es, die hochalpine Rennstrecke für tausende Teilnehmende zu sichern.
Yves Charrière, Brigadier und seit Juni 2025 Kommandant des Rennens, wirbt für das Event. Er betont: «Sechzig Prozent unseres Landes sind Alpen. Wir müssen fähig sein, uns auf Operationen im Gebirge vorzubereiten und sie durchzuführen.» Die Vorbereitungen werden von verschiedenen Truppengattungen wie den Gebirgstruppen, der Luftwaffe, den Logistiktruppen sowie Sanitäts- und Rettungstruppen unterstützt.
Manuel Troillet aus dem Unterwallis ist für die Sicherheit des Rennens zuständig. Er erklärt: «Ein Risiko von null gibt es im Gebirge nicht. Unser Ziel ist ein vertretbares Restrisiko.» Lawinengefährdete Hänge werden gesprengt, während des Rennens sind Bergführer und Lawinenhunde im Einsatz.
Gebirgsspezialisten haben die Strecke bereits vorbereitet und 300 Tonnen Material in die Höhe gebracht. Auf fünfzehn Posten entlang der Strecke werden Zwischenzeiten erfasst, und Notfallhilfe wird bereitgestellt. Ab Sonntag sind 345 Personen eine Woche lang auf den Posten im Einsatz – rund um die Uhr.
Die Zelte an den Posten verfügen über Küchen und Generatoren für Licht und Wärme; draußen stehen mobile Toiletten. Oberleutnant Benoît Delaloye, Detachement-Chef der Gebirgsspezialisten, berichtet von extremen Bedingungen wie minus 30 Grad auf der Tête Blanche.
Die Vorbereitungen sind für die Armee wichtiger als das Rennen selbst. Die Patrouille des Glaciers begann während des Zweiten Weltkriegs als militärische Übung, um die Schweizer Alpen zu verteidigen. Nach einer Tragödie 1943 wurde es verboten, aber 1983 mit zivilen Teilnehmenden wiederaufgenommen.
Kritiker wie Bergführer Werner Munter warnen vor der Illusion von Sicherheit in den Bergen. Ein Unglück im Jahr 2024 zeigte die Gefahren auf: Sechs Menschen starben bei einem Wettersturz während des Trainings. Kommandant Charrière betont, dass Sicherheit während des Rennens gewährleistet werde.
Die Entscheidung, ob das Rennen stattfinden kann, liegt beim Kommandanten und wird bis zuletzt unsicher gelassen, beeinflusst von Faktoren wie Lawinenlage oder Wetter. 2024 mussten drei Rennen abgesagt werden; Charrière ist zuversichtlich für dieses Jahr.