Am Wochenende hielt der bekannte deutsche Entertainer Hape Kerkeling eine bewegende Ansprache am ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald. Zum Gedenken an den 81. Jahrestag der Befreiung des Lagers sprach er als Enkel eines dort inhaftierten Überlebenden, seines Großvaters Hermann. Kerkeling äußerte sich besorgt über die zunehmende Forderung nach einem Ende der Erinnerungskultur und mahnte zur Wachsamkeit in einer politisch aufgeladenen Zeit.
Der Großvater von Kerkeling, ein Kommunist und Katholik, wurde 1933 wegen des Verteilens antifaschistischer Flugblätter verhaftet und als Hochverräter gebrandmarkt. Hermann Kerkeling musste zwölf Jahre in Haft verbringen, zuletzt drei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald, wo er Folter und Zwangsarbeit überlebte. Seine Erlebnisse teilte er nach dem Krieg kaum.
In seiner Rede warnte Hape Kerkeling vor einer Geschichtsrelativierung, die ein Ende der Demokratie bedeuten könnte. Er bezog sich auf eine umstrittene Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland, der die NS-Zeit als “Vogelschiss” der Geschichte bezeichnet hatte. Kerkeling betonte, dass Artikel 1 des Grundgesetzes, “Die Würde des Menschen ist unantastbar”, eine Antwort auf Buchenwald sei und Demokratie müsse gegen das Wegsehen verteidigt werden.
Proteste unterbrachen die Rede von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Zuhörerinnen und Zuhörer störten ihn mit Buhrufen und dem “Buchenwaldlied” aufgrund seiner Entscheidung, drei linksgerichtete Buchhandlungen von einer Nominierungsliste zu streichen.
Zudem verweigerte die Stadt Weimar eine Kundgebung der Initiative “Kufiyas in Buchenwald”, um eine Instrumentalisierung des Gedenkens zu verhindern. Der Protest rührte daher, dass im Vorjahr einer Frau mit Palästinenser-Tuch der Zutritt zum Gelände verweigert wurde.
Buchenwald war zwischen 1937 und 1945 ein Ort der Unterdrückung für rund eine Viertelmillion Menschen, von denen mehr als 50.000 starben. Am 11. April 1945 befreiten US-Truppen das Lager.