Am 8. Mai 2001 wurde im Standesamt von Genf eine bedeutende Zeremonie abgehalten, bei der Yves de Matteis und Patrick Berguer als erstes homosexuelles Paar in der Schweiz ihre Partnerschaft offiziell registrieren ließen. Dieses Ereignis zog zahlreiche Fernsehteams an, die den symbolischen Kuss des Paares aufzeichneten.
“Der ursprüngliche Plan einer intimen Feier ging leider nicht auf”, erinnert sich de Matteis lachend. Die damals entstandenen Fotos lösen auch heute noch starke Gefühle aus. “Unser Kuss war ein Ausdruck unseres Herzens”, betont Berguer. “Wir küssten uns, wie jeder andere Liebespaar es tut.” Endlich eine Normalität.
Obwohl die eingetragene Partnerschaft im Kanton Genf damals nur wenige rechtliche Vorteile bot, bedeutete sie für das Paar viel. De Matteis hebt hervor: “Zum ersten Mal wurde ich vom Staat vollständig anerkannt.” Er ist mittlerweile Mitglied der Grünen in der Genfer Kantonsregierung.
Die Entscheidung zur Registrierung gab Berguer den Mut, sich seinen Eltern zu outen. Mit einem Zeitungsartikel vor Augen, zeigte er ihnen die Schlagzeilen mit seinem Bild und sagte: «Ich bin homosexuell. Voilà, der Beweis.»
Beide waren damals in der Schwulenbewegung aktiv und wollten ein Zeichen setzen. “Wir haben die Gesellschaft bewegt”, sagt Berguer. De Matteis ist überzeugt, dass ihr Akt nicht nur symbolisch war: «Man sagte, die eingetragene Partnerschaft würde die Ehe zerstören. Wir konnten zeigen, dass wir niemandem etwas wegnehmen.” Diese Regelung im Kanton Genf sei der erste Schritt gewesen, auf dem später gebaut wurde.
Tatsächlich folgte wenige Jahre später ein weiterer Fortschritt: 2007 trat die eingetragene Partnerschaft auf nationaler Ebene in Kraft. Seit 2022 besteht in der Schweiz die Ehe für alle.
Heute sind Berguer (68) und de Matteis (62) nicht mehr zusammen, jedoch bleibt ihnen die Öffnung der Ehe wichtig. “Jeder Fortschritt zählt im Kampf um Gleichstellung”, betont de Matteis, selbst wenn er das neue Recht vielleicht nicht persönlich nutzt.
Laut beiden ist es heute einfacher, offen homosexuell in der Schweiz zu leben, dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen. “Wir müssen Präventionsarbeit an Schulen intensivieren, um Belästigungen vorzubeugen”, fordert de Matteis.
Ihr Blick richtet sich auch über die nationalen Grenzen hinaus. In vielen Ländern wird Homosexualität noch immer kriminalisiert. Für das Duo ist klar: Ihr Einsatz für Gleichstellung geht weiter.