Die unvergleichliche Anziehungskraft eines Hundeblicks zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Diesmal tanzen nicht zwei Menschen zum Lied «Hungry Eyes», sondern eine Frau und ein Hund, wobei Harmonie im Vordergrund steht. Die beiden bilden ein eingespieltes Team und sind Teil des Schauspiels «Wau Wow», welches in der Lokremise in St. Gallen aufgeführt wird. Hier spielen Hunde die Hauptrollen. Das Stück thematisiert die Beziehung zwischen Mensch und Hund, kreiert von Regisseur Piet Baumgartner und Dramaturgin Julie Paucker.
Baumgartner und Paucker sind leidenschaftliche Hundefreunde seit ihrer Kindheit. Die Idee, ein Theaterstück mit Hunden zu entwickeln, reifte über die Jahre: «Schauspieler können den schönsten Monolog halten; wenn jedoch ein Hund auf der Bühne gähnt, schauen alle zu ihm», erklärt Baumgartner und bezeichnet den Hund als süßen Störfaktor.
Paucker ergänzt, dass Hundebeziehungen häufig Gesprächsthema unter Haltern seien. Diese Beziehung sei auch auf der Bühne von Bedeutung: «Immer mehr Menschen haben Hunde – was sagt uns das über unsere Zeit?» Die Antworten darauf sucht Paucker im Schauspiel.
Die Aufführung findet bis zum 5. Juni statt. Viele Schweizer entscheiden sich für einen Hund, da sie immer weniger Kinder bekommen. Baumgartner und Paucker vermuten: Hunde könnten ein Mittel gegen Einsamkeit sein und eine Verbindung zur Natur schaffen. Sie lehren Menschen, im Moment zu leben und mit wenig zufrieden zu sein – ein guter Knochen reicht oft aus.
Die Beziehung zwischen Mensch und Tier wirft zahlreiche philosophische Fragen auf, birgt jedoch auch absurde Aspekte: «Meiner ist ein ganz lieber!» oder «Er hat noch nie gebissen.». Diese Sätze werden hier von Schauspielern gesprochen, wobei einer provokativ einen Katzenpullover trägt.
Ein essentieller Teil der Produktion mit Hunden ist das Verwenden von Leckerlis – ohne geht nichts. Das Wohl der Hunde hat für die Theaterschaffenden oberste Priorität. Zudem unterstützt eine Hundetrainerin vor Ort das Team.
Das Ensemble besteht aus fünf Hunden, ihren Haltern und -halterinnen, einem Schauspieler, einer Schauspielerin sowie einer Tänzerin. Diese Mischung macht die Produktion so herausfordernd und spannend: «Theater interessiert mich besonders dann, wenn ich nicht genau weiss, wie es geht», lacht Paucker.
Für Baumgartner, bekannt für seine Filme, stellt das Stück eine Antithese zu seinem Film «The Driven Ones» dar, in dem HSG-Studenten auf ihrem Weg ins Business begleitet wurden. Hier galt das Motto: «Survival of the Fittest». Im Gegensatz dazu zählt bei den Bühnenhunden: «Hier gewinnt der Netteste, der Süsseste – Survival of the Kindest».
Die Frage, ob Hunde als Mittel dienen, um Menschen ins Theater zu locken, ist berechtigt. Baumgartner findet es schön, wenn das Theater niederschwelliger wird und jene anzieht, die sich normalerweise nicht trauen: «Be my guest.”
In einer Szene dreht sich alles um Wurst – beim Hund hat schließlich das Tier die Nase vorn, und die Welt ist in Ordnung, wenn es genug zum Fressen gibt.
Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 29.4.2026, 17:20 Uhr