Nach drei Wochen der Waffenruhe kehrt allmählich eine gewisse Normalität in den Iran zurück. Die Menschen lassen sich wieder häufiger sehen, besonders abends sind die Strassen von Staus geprägt und Cafés gut besucht, wie der 38-jährige Hamid (Name von der Redaktion geändert) über eine Sprachnachricht berichtet: «Wir nutzen diese Momente des Friedens gerne aus und verbringen Zeit in den Cafés.»
Trotz dieser kurzen Erleichterung stehen die Menschen vor drängenderen Problemen als einem möglichen Kriegsausbruch. Hamid findet Trost darin, dass die Internetsperre das gesellschaftliche Zusammenkommen fördert, aber in seiner Rolle bei einer Technologiefirma bedeutet dies drohende Arbeitslosigkeit. «Viele Firmen haben schon Entlassungen vorgenommen oder Verträge auf einen Monat befristet», erklärt er und schildert die wachsende Nervosität.
Diese Sorge teilen viele im Land. Hamid betont: «Die Internetproblematik beschäftigt mich mehr als ein neuer Kriegsausbruch.» Eine stabile Verbindung nach außen ist zu einem Luxus geworden, den sich die meisten nicht leisten können und der bis zu fünf Franken für zwei bis drei Stunden im Netz kostet. Parallel dazu sind Lebensmittelpreise drastisch gestiegen.
Eine Teheraner Ärztin beschreibt die Lage: «Die Preise sind in kürzester Zeit explodiert, Lebensmittel kosten jetzt mehr als doppelt so viel.» Die Mittelschicht schmilzt dahin und selbst sie fürchtet um ihre finanzielle Sicherheit. Wie es den meisten Menschen geht, die schon vorher knapp überlebten, ist kaum abzuschätzen.
Misstrauen gegenüber der Waffenruhe ist weit verbreitet: «USA und Israel verfolgen ihre eigenen Ziele», meint eine Frau. “Sobald es ihnen dient, werden sie den Krieg wieder aufnehmen.” Die Hoffnung auf westliche Hilfe hat nach Ansagen von US-Präsident Trump nach den Protesten im Januar nachgelassen.
Reza (Name von der Redaktion geändert) zeigt sich in einer Nachricht skeptisch gegenüber langfristigen Verhandlungserfolgen und bemängelt das fehlende gegenseitige Vertrauen. Die Iraner bleiben somit in einem Zustand zwischen wirtschaftlicher Not und der Angst vor einem neuen Krieg gefangen.