Shirin Ebadi, die iranische Friedensnobelpreisträgerin, äußert sich zur Zukunft der Islamischen Republik und erklärt ihre Ablehnung einer militärischen Intervention durch die USA trotz ihrer Kritik am aktuellen Regime. Im Gespräch via Teams, gekleidet in einem roten Pulli, wirkt Ebadi zwar müde, bleibt jedoch hochkonzentriert. Seit Beginn des israelisch-amerikanischen Konflikts mit dem Iran ist ihr Terminkalender besonders voll. Auf Persisch beantwortet sie die Fragen und eine Dolmetscherin übersetzt ins Englische. Ebadi, in Iran geboren und aufgewachsen, war nach der Islamischen Revolution 1979 als Richterin tätig. Nach ihrer Entlassung arbeitete sie als Dozentin und Anwältin, verteidigte Dissidenten gegen das Regime. Für ihre Bemühungen um Demokratie und Menschenrechte erhielt sie 2003 den Friedensnobelpreis. Mehrere von ihr ins Leben gerufene Organisationen wurden verboten, ihr Vermögen beschlagnahmt; seit Ende 2009 lebt Ebadi im Exil in Großbritannien. Ebadi äußert ihren Wunsch nach Rückkehr nach Teheran: «Es war mein Traum, zurückzukehren. Ich glaube daran, aber ich kann keinen Zeitpunkt nennen.» Eine Änderung der Regierung sei dafür notwendig. Trotzdem lehnt sie militärische Interventionen ab: «Das ist nicht der richtige Weg», sagt sie und kritisiert die Zerstörungen durch den Krieg. Ebadi sieht ein enormes Leid unter der iranischen Bevölkerung, vergleicht es mit dem brutalem Vorgehen des Regimes gegen eigene Demonstranten. Ein Umsturz sei nur möglich, wenn die Repressionskräfte geschwächt werden und Bombardierungen enden. Reza Pahlevi, der Schah-Sohn, ruft zu Protesten auf, doch Ebadi sieht seine Unterstützung als begrenzt an, da er innerhalb des Monarchismus steht. Ein Mangel an Geschlossenheit unter den Republikanern sei das eigentliche Problem. Ebadi betont, dass der Kampf für Menschenrechte und Freiheit nicht vergeblich war: «Ohne unsere Arbeit wäre die Lage noch schlimmer». Sie appelliert an die Jugend in Iran, sich zu vereinen, um das Regime zu stürzen. Als beste Lösung sieht Ebadi einen freiwilligen Rücktritt des Regimes vor einer weiteren Eskalation. In Bezug auf den Westen sagt sie: «Ich hätte nicht erwartet, dass das Regime so kurzsichtig handelt». Ein geschwächtes Iran sei für die Golfstaaten kein attraktiver Partner. Ebadi ist skeptisch bezüglich der Überlebensfähigkeit des Regimes und glaubt an einen zukünftigen Umsturz durch den Druck der Bevölkerung. Ihr Urteil über Donald Trump, der Interesse am Friedensnobelpreis zeigte: «Er hat mein Land angegriffen», lehnt sie jede Unterstützung ab.