Volkswagen präsentiert ein neues E-SUV, das den Traum von einem erschwinglichen und vernetzten Oberklassen-Flaggschiff verwirklicht. Doch EU-Regularien, höhere Preise sowie Befürchtungen wegen innerer Konkurrenz könnten dieses ambitionierte Vorhaben zunichtemachen.
VW hat es in der Oberklasse der Autobranche nie ganz geschafft. Die Phaeton-Luxuslimousine konnte technisch mit der S-Klasse mithalten, wurde aber nach nur einer Generation mangels Nachfrage eingestellt. Der Touareg verlor gegen seine Schwestermodelle Audi Q7, Porsche Cayenne und Bentley Bentayga sowie die EU-Abgasvorschriften den Platz an der Sonne.
Zwar setzt VW mit seiner Kampagne “True Volkswagen” auf erschwingliche Mobilität und plant mehr Autos für jedermann. Gleichzeitig unternimmt das Unternehmen in China einen Vorstoss ins Premium-Segment: Der ID.Era 9X, das neue Flaggschiff der chinesischen Modelloffensive von VW, ist größer als alle bisherigen VW-Modelle.
Mit einer Länge von 5,21 Metern übertrifft er den VW Taigun um fast einen halben Meter. Trotz seiner Größe wirkt der 9X nicht protzig, sondern filigran und ähnelt sogar einem Range Rover. Der Preis liegt bei etwa 38.000 Euro – günstiger als ein Tiguan.
Das luxuriöse Interieur bietet reichlich Platz, aber auch eine dritte Sitzreihe, die bei 2,70 Meter Radstand nur mäßig komfortabel ist. Im Fond gibt es jedoch thronartige Sitze und einen klappbaren 21,4-Zoll-Bildschirm im Dach sowie eine Ottomane am Beifahrersitz.
Die fortschrittliche Digitalisierung mit großen Bildschirmen bis zur Beifahrerseite hebt sich deutlich von europäischen ID-Modellen ab. Ein Touchscreen in der Türverkleidung bietet Zugriff auf Klima, Infotainment und Sitzverstellung.
Typisch für chinesische Autos sind pfiffige Details wie wasserdichte Taschen im Türrahmen oder ein Thermofach zur Kühlung von Getränken. Der Antrieb besteht aus zwei E-Maschinen mit 517 PS und 660 Nm, die das Fahrzeug in 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h bringen.
Die Akkus haben eine Kapazität von 51 bis 65 kWh, unterstützt durch eine 800-Volt-Bordspannung für schnelles Laden. Trotz Reichweitenängsten bietet ein zusätzlicher Benzintank mit einem 1,5 Liter großen Vierzylinder die Möglichkeit der Nachladefunktion für zusätzliche 1200 Kilometer.
Eine Zwei-Kammer-Luftfederung ermöglicht ein vorausschauendes Fahrverhalten. Die “Navigation on Autopilot”-Funktion nutzt Lidar, Radar und Kameras zur selbstständigen Navigation durch den Verkehr sowie beim Einparken ohne Fahrerintervention.
In Wolfsburg gibt es Stimmen, die sich den ID.Era 9X auch in Europa wünschen. Trotz möglicher Preiserhöhungen könnte er das günstigste und vielleicht sogar beste Oberklasse-Modell bleiben, was deutsche Autobauer zu bieten haben.