Iyad Ag Ghali, einst als Bonvivant bekannt und ein Liebhaber des Nachtlebens mit einem Faible für Whisky und Kette, hat sich zu einer zentralen Figur im afrikanischen Jihadismus entwickelt. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit den politischen Umbrüchen in Mali, das heute als Epizentrum globaler Terroraktivitäten gilt.
Geboren um 1958 in eine einflussreiche Tuareg-Familie im Norden Malis, erlebte Ag Ghali schon früh die Auswirkungen von Rebellionen gegen die französische Kolonialherrschaft. Nach dem Tod seines Vaters durch Rebellen wanderte er nach Libyen aus, wo er Teil der „Islamischen Legion“ unter Muammar al-Ghadhafi wurde und seine militärischen Fähigkeiten schärfte.
In dieser Zeit unterstützte Ag Ghali die Band Tinariwen bei ihrem Aufstieg in der Musikwelt. Nach seiner Rückkehr nach Mali 1990 wandelte er sich von einem Söldner zu einem Anführer im Tuareg-Aufstand, verhandelte Autonomie für seine Region und wurde schließlich ein Politiker.
Die Wende kam um 1999, als Ag Ghali radikalen Islam predigenden pakistanischen Predigern begegnete. Sein Wechsel zu einem strengen Islam und die Zusammenarbeit mit Extremisten führten ihn zu seiner Rolle als Unterhändler bei Geiselnahmen.
Nachdem er 2010 aus Saudi-Arabien verbannt wurde, gründete Ag Ghali 2011 die Gruppe Ansar Dine. Diese etablierte sich rasch als eine der mächtigsten jihadistischen Bewegungen in Mali und verbreitete ihre Kontrolle bis in benachbarte Länder.
Iyad Ag Ghalis Einfluss wuchs weiter, als er 2017 die Gruppe JNIM gründete, die zur dominierenden Kraft im Sahel wurde. Trotz politischer Umbrüche und der Absetzung von Regierungen in Mali blieb seine Macht bestehen.
Nach jüngsten Angriffen, die den Verteidigungsminister töteten, fragt sich die Welt, was Ag Ghali als Nächstes plant. Einige Analysten spekulieren über Ambitionen zur Machtergreifung, während andere annehmen, dass JNIM lediglich auf Verhandlungen abzielt.
Unabhängig von seinen Zielen bleibt Iyad Ag Ghali eine Schlüsselfigur in der Zukunft Malis und des Sahelraums.