Autor: Hana Fink
Obwohl im Schulzimmer gleiche Chancen für alle Kinder bestehen sollten, zeigt eine neue Studie aus Luzern, dass Herkunft, Sprache und der Bildungsstand der Eltern tatsächlich entscheidend sind. Zwei Schüler einer Primarschule in Luzern mögen beide neugierig und lernwillig sein, doch ihre Hintergründe kontrastieren stark: das eine Kind spricht zu Hause Deutsch und erhält von seinen Eltern Unterstützung, während das andere Kind aus einem Umfeld stammt, in dem die Eltern kaum Zugang zur höheren Bildung hatten.
Diese individuellen Herausforderungen spiegeln ein systematisches Problem im Kanton Luzern wider. Eine Analyse der Statistikstelle «Lustat» belegt, dass schulischer Erfolg weniger von den Anstrengungen der Kinder abhängt als vielmehr von deren sozialer Herkunft, dem Bildungsniveau der Eltern oder dem Geburtsort.
Herkunft bestimmt die Möglichkeiten
Der zukünftige Bildungsweg eines Kindes, ob es in die gewünschte Sekundarstufe wechselt oder eine Berufslehre erfolgreich abschließt, wird oft durch diese unveränderlichen Faktoren geprägt.
SP-Kantonsrat Urban hinterfragt, warum soziale Ungleichheiten im Bildungsweg bestehen bleiben und welche Maßnahmen der Regierungsrat plant, um die Chancengerechtigkeit zu fördern. Die «Lustat»-Analyse unterstreicht, dass sich diese Ungleichheiten entlang des gesamten Bildungsverlaufs manifestieren – von der Sekundarstufe I über den Abschluss der Sekundarstufe II bis hin zu Weiterbildungen. Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus benachteiligten Familien erreichen seltener einen Abschluss.
Laut «Lustat» besuchen Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, das Langzeitgymnasium weniger häufig, selbst wenn sie in der Schweiz geboren sind. Auch bestehen geschlechterspezifische Unterschiede bei der Wahl des Bildungswegs und späteren beruflichen Positionierung.
Vorschläge von Urban Sager zur Verbesserung der Situation
Daraus ergibt sich für Sager die Notwendigkeit, mehrere Maßnahmen zu ergreifen. Er fordert den Regierungsrat auf, folgende Punkte zu prüfen: Zum einen soll das «Case Managements Berufsbildung» gestärkt werden, ein Unterstützungsangebot für Jugendliche ab der 7. Klasse bis zum Alter von 25 Jahren.
Hat sich die Situation deiner Eltern auf deine Bildung ausgewirkt?
🎓 Ja, meine Eltern haben studiert und ich hatte somit keine Schwierigkeiten in der Schule.
🤷 Nein, meine Eltern haben studiert und ich hatte dennoch Schwierigkeiten in der Schule.
🌍 Ja, meine Eltern sprechen eine andere Sprache und so hatte ich mehr Schwierigkeiten.
📚 Nein, meine Eltern sprechen eine andere Sprache und ich hatte trotzdem keine Schwierigkeiten.
Sager schlägt außerdem vor, die Zusammenarbeit mit der IV-Früherfassung zu verstärken – einem präventiven Verfahren der Invalidenversicherung zur Unterstützung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen.
Drittens soll der Zugang zu Brückenangeboten für alle Schüler im Kanton geöffnet werden, um ihnen den Übergang in eine Berufslehre nach der obligatorischen Schulzeit zu erleichtern.
Schließlich fordert er die Überprüfung innovativer Ansätze wie einer «Schnupperlehre für Eltern» oder Teilzeitlehren bei psychischer Belastung.
Verwendete Quellen:
Vorstoss auf Urban Sager, Webartikel von «Lustat». Weitere Quellen: Weniger Quellen anzeigen.