Nach einer zehnjährigen Pause hat Indien den Zensusprozess wieder aufgenommen, der umfassende demografische Daten erhebt und nun auch Informationen zur Kaste beinhaltet. Diese Maßnahme könnte weitreichende politische Konsequenzen nach sich ziehen.
Die Fragen des Zensus reichen von Haushaltsgröße und Zugang zu Wasser bis hin zum Besitz von Fahrzeugen und Kochmethoden. Vom 1. April dieses Jahres bis März 2027 werden mehr als eine Milliarde Menschen in Indien diese Befragungen absolvieren, wobei die Daten digital erhoben werden.
Über drei Millionen Mitarbeiter sind im Einsatz, um Haushaltsdaten zunächst zu sammeln. Ab Februar 2027 folgen dann Informationen über individuelle Bewohner wie Alter, Geschlecht und Kastenzugehörigkeit. Letztere ist erstmals Bestandteil des Zensus, was die Umsetzung sozialer Förderprogramme verbessern soll.
Obwohl das Kastensystem nach der Unabhängigkeit 1947 offiziell aufgehoben wurde, beeinflusst es weiterhin Eheschließungen und Bildungschancen. Dalits und Adivasis erhalten staatliche Unterstützung, obwohl die Wirksamkeit dieser Maßnahmen umstritten ist.
Der Zensus könnte politische Spannungen verschärfen: Während er den Erfolg der Regierung Modi hinterfragen kann, könnte er auch Gebietsverschiebungen zugunsten von Regionen bevorzugen, in denen seine Partei stark ist. Zudem wird die Volkszählung klären, ob Indien China als bevölkerungsreichstes Land abgelöst hat, da aktuelle Schätzungen auf 1,42 Milliarden Einwohner hindeuten.
Der Rückgang der Geburtenrate in Indien ist bemerkenswert und könnte politische Diskussionen über die Notwendigkeit einer höheren Fertilitätsrate anstoßen. Dieser Zensus wird somit entscheidende soziale und wirtschaftliche Daten liefern, um zukünftige Politiken besser ausrichten zu können.