Im Irak setzen proiranische Milizionäre, unterstützt von Teheran, ihre Auseinandersetzungen mit den Amerikanern fort. Diese reagieren auf die Angriffe mit Luftschlägen, während das Bagdader Regime versucht, den ehemaligen Bürgerkriegsstaat aus dem schlimmsten Abgrund herauszuhalten.
Öffentlich zeigte sich Mohammed Shia al-Sudani entschlossen. Er bezeichnete die Attacke als eine «heimtückische» Aktion und äusserte seinen Unmut, nachdem bei einem Luftangriff auf einen Militärstützpunkt in der Provinz Anbar am Mittwoch sieben irakische Soldaten getötet wurden.
Die Verantwortung für die Bombardierung wurde bislang nicht übernommen. Doch Bagdad scheint den Täter zu kennen und hat deshalb umgehend den amerikanischen Chargé d’Affaires einbestellt, da der Angriff als Verletzung internationalen Rechts betrachtet wird.
Sudani, der sich zum Ziel gesetzt hatte, Irak aus dem Chaos herauszuführen und zahlreiche Infrastrukturprojekte vorantrieb, steht nun einer drohenden Verschlechterung des Konflikts gegenüber. Der Irak dient sowohl Iran als auch den USA als Operationsgebiet: Während Washington seine Basen im Land betreibt, die regelmässig von Teheran beschossen werden, nutzen israelische und amerikanische Jets angeblich den Luftraum über Bagdad für Angriffe auf Iran. Proiranische Milizen beschiessen ihrerseits US-Einrichtungen sowie prowestliche kurdische Gebiete.
Der Tod der Soldaten in Anbar könnte auf diesen Kleinkrieg zurückzuführen sein und verdeutlicht die komplexen Machtverhältnisse im multikonfessionellen Irak. Die getroffene Basis dient nicht nur den irakischen Streitkräften, sondern auch den Volksmobilisierungseinheiten (PMF), einem Bündnis aus verschiedenen schiitischen Milizen.
Die PMF wurden 2014 initiiert, um gegen den Islamischen Staat zu kämpfen und sind offiziell Teil der irakischen Sicherheitskräfte. Viele ihrer Brigaden haben jedoch eigene Loyalitäten und unterstützen Iran, wie Gruppen wie Harakat al-Nujaba oder Kataib Hizbullah zeigen.
Ministerpräsident Sudani, ein Schiit, ist in dieser Situation fast machtlos. Er hofft, dass die Pro-Iran-Kämpfer ihre Aktivitäten auf die Kasernen beschränken, verfügt jedoch über kaum Autorität, um dies durchzusetzen. Seit der letzten Parlamentswahl im November 2021 hat er nur eine provisorische Amtsstellung.
Um sein Land aus dem Konflikt herauszuhalten, versucht Sudani mit einem Schlingerkurs den Frieden zu wahren. Ein langer Krieg könnte jedoch alte Wunden aufreissen und die ohnehin angespannte Lage durch die Blockade der Strasse von Hormuz weiter verschärfen. Der Irak ist deshalb auf eine Pipeline im Norden angewiesen, die durch das kurdische Autonomiegebiet führt.
Sudani muss seine Schritte sorgfältig abwägen und hat daher sowohl den amerikanischen als auch den iranischen Geschäftsträger einbestellt. Er hofft zudem, dass die PMF-Gruppen daran interessiert sind, eine Eskalation zu vermeiden, da viele ihrer Anführer inzwischen eher wirtschaftliche Interessen im ölreichen Irak verfolgen als kriegerische.