Trotz gelegentlicher öffentlicher Auseinandersetzungen ist das iranische Regime weit stabiler als von manchen Gegnern behauptet. Experten widersprechen Donald Trumps Vorwurf, die Führung in Teheran sei zersplittert, und betonen, dass wichtige Entscheidungen weiterhin kollektiv getroffen werden.
Ein beispielhafter Zwist ereignete sich am 17. April, als Aussenminister Abbas Araghchi eine Öffnung der Strasse von Hormuz bekannt gab, worauf die Revolutionswächter prompt widersprachen. Ein Tweet der Nachrichtenagentur Tasnim, nahe den Wächtern stehend, kritisierte Araghchis Aussage als unvollständig und bestätigte die Schliessung.
In einem Seefunk soll sogar eine beleidigende Anspielung gegenüber der Marine von Araghchi erfolgt sein. Diese Vorfälle rufen Fragen nach inneren Machtkämpfen auf, doch Iran-Experte Ali Vaez vom International Crisis Group sieht hierin keine Spaltung: “Es gibt keinerlei Anzeichen für eine klare Zersplitterung des Regimes.” Nach Meinung von Vaez wurde die Reaktion der Wächter mehr durch Donald Trumps Drohung, die Seeblockade aufrechtzuerhalten, ausgelöst.
Ali Alfoneh vom Arab Gulf States Institute in Washington stellt ebenfalls keinen Machtkampf fest. Er erklärt, dass der äussere Druck von Israel und den USA eine Geschlossenheit erzwungen hat. Innerhalb des Sicherheitsrats, wo alle wichtigen Akteure wie Präsident Masud Pezeshkian, Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und militärische Führungspersonen sitzen, werden Entscheidungen weiterhin kollektiv getroffen.
Seit Beginn des Krieges haben sich die Mitglieder dieses Rats verändert. Die verstärkte Präsenz der Revolutionswächter in diesem Gremium deutet auf eine militarisierte Führung hin, jedoch ohne dass Vahidi oder andere Einflussnehmer Entscheidungen alleine treffen können.
Mojtaba Khamenei, der neue Revolutionsführer, hat bisher keine öffentliche Rolle eingenommen. Sein Einfluss bleibt ungewiss, doch es scheint, dass er den Wächtern in gewisser Weise untergeordnet ist – eine Umkehrung der traditionellen Machtverhältnisse.
Das politische System mit seinen verschiedenen Machtzentren hat sich widerstandsfähiger erwiesen als von Gegnern angenommen. Obwohl Entscheidungen oft Zeit brauchen, um im Konsens getroffen zu werden, ist die Regierung weit davon entfernt, uneinig zu sein. Trumps Behauptung interner Spannungen dient der US-Regierung eher als Entschuldigung für diplomatische Stillstände.
Iranische Experten glauben, dass das Land trotz des Verlustes von Führungspersonen durch gezielte Angriffe eine Einigkeit in der Ablehnung eines Nuklearprogramm-Abkommens oder einer Aufgabe der Kontrolle über die Strasse von Hormuz zeigt. Die Regierung sieht sich selbst in einer starken Position.