Nach dem Misserfolg ihres Justizreferendums sieht sich Premierministerin Giorgia Meloni gezwungen, engste Verbündete zu entlassen. Die betroffenen Personen hatten das Ansehen der Regierung durch ihre Verstrickung in Skandale belastet. Tourismusministerin Daniela Santanchè steht unter dem Verdacht, sich während der Pandemie unrechtmäßig Coronahilfen erschlichen und ihr Unternehmen betrügerisch in Konkurs geführt zu haben. Andrea Delmastro musste als Staatssekretär zurücktreten, nachdem bekannt wurde, dass er mit einer mafiösen Familie eine Restaurantkette betrieb. Auch Giusi Bartolozzi, die Kabinettschefin des Justizministeriums, verlor ihren Posten. Sie hatte Richterinnen und Richter während der Abstimmungskampagne für die Justizreform mit einem Exekutionskommando verglichen.
Obwohl alle drei nicht rechtskräftig verurteilt sind, hat das Referendum einen Wandel in Italien eingeleitet. Melonis Ruf als unbesiegbar ist beschädigt und ihre Schutzfunktion über die genannten Personen hält nicht mehr stand. In einer Notmaßnahme trennte sich Meloni von ihren alten Vertrauten, um weiteren Schaden abzuwenden. Doch ob dieser Schritt ausreicht, bleibt ungewiss.
Auch der Stuhl des Justizministers Carlo Nodgio steht auf wackeligen Beinen, da er die gescheiterte Reform geplant hatte. Zudem muss Meloni nun auch den Einfluss der Familie Berlusconi fürchten, deren Partei Forza Italia maßgeblich an dem Reformversuch beteiligt war. Die Berlusconis suchen nach Schuldigen innerhalb ihrer eigenen Partei, was zum Rücktritt des Fraktionschefs im Senat führte. Auch Parteichef und Aussenminister Antonio Tajani steht unter Druck.
Das Referendum hat die Regierung Meloni stark erschüttert. Franco Battel berichtet seit 2024 als Italienkorrespondent für Radio SRF aus Rom, nachdem er von 2015 bis 2021 bereits in dieser Funktion tätig war.