Der Schweizer Jan Christen war ursprünglich als Helfer für die Rad-Equipe UAE bei der Italienrundfahrt vorgesehen, doch nach einem verheerenden Sturz am zweiten Tag könnte er nun zum Leader avancieren. Der Unfall ereignete sich gut 23 Kilometer vor dem Ziel in Veliko Tarnovo, Bulgarien, und führte zu schweren Verletzungen mehrerer Teamkollegen. Adam Yates, Träger des Weißen Trikots der besten Jungprofis, erlitt blutende Wunden am Gesicht und einen vermuteten Gehirnerschlag, was ihn zur Aufgabe zwang. Marc Soler und Jay Vine schieden mit schweren Brüchen aus dem Rennen aus. Jan Christen konnte sich glücklicherweise vor dem Massensturz im Hintertreffen des Pelotons in Sicherheit bringen und ist nun sechster in der Gesamtwertung, während er das Weiße Trikot trägt. Nach den Ausfällen seiner Teamkollegen steht er als Leader unter den verbliebenen UAE-Profis am Start der vierten Etappe. Obwohl Christen selbstbewusst ist und bereits im Training mit seinem Landsmann Tadej Pogacar mithalten konnte, äußerte er Unsicherheit über seine neue Rolle: «Ich weiss nicht, was diese neue Situation für mich bedeutet», sagte er nach dem Ausfall von Yates. Der 21-Jährige gilt als hochtalentierter Fahrer und könnte künftig verstärkt im Fokus stehen. Mit Isaac del Toro und dem jungen Franzosen Pau Seixas formiert sich bereits die nächste Generation junger Talente im Team. Christens Vielseitigkeit zeichnet ihn aus: Er wurde 2022 Junioren-Weltmeister im Radquer, eine Disziplin, die Ausdauer und Kletterstärke fördert. Auch auf der Straße hat er bereits Erfolge gefeiert, darunter eine Etappe bei der Alula-Tour in Saudiarabien. Mit seiner umfassenden Fähigkeitenpalette – von Eintagesrennen bis hin zu Zeitfahren und Bergankünften – steht Christen neben Größen wie Pogacar und Mathieu van der Poel. Als Mitglied einer Radsport-Dynastie, mit einem Grossvater, der 1960 an der Tour de France teilnahm, strebte er früh eine Profikarriere an. Die neue Rolle im Team UAE bietet Christen die Möglichkeit, sich in einem schweren Rennen gegen Topfavoriten wie Jonas Vingegaard zu beweisen. Er konnte bereits einen Angriff des ehemaligen Tour-Siegers abwehren und hat nun die Chance, seine Ambitionen weiter voranzutreiben.