Menschenhandel tritt nicht nur auf der Strasse oder in Bordellen, sondern auch im heimischen Umfeld von Arbeitsmigrantinnen auf. Diese erleben in Schweizer Privathaushalten Ausbeutung beim Putzen, Einkaufen, Kinderbetreuung und bei der Pflege Bedürftiger.
Die Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration hat ihren Jahresbericht 2025 vorgestellt. Die Hauptzielgruppe sind nach wie vor Sexarbeiterinnen und von Partnergewalt betroffene Frauen. Dieses Jahr wurden insgesamt 444 Personen beraten, ein Anstieg um 41 im Vergleich zum Vorjahr. Der Zuwachs ist hauptsächlich auf Fälle privater Ausbeutung zurückzuführen. Die Ressourcen der Fachstelle wurden ausgebaut, unter anderem durch eine dreisprachige Flixbus-Kampagne und Social-Media-Aufrufe.
Die Organisation bietet Beratung für Opfer an und hat ihre Unterstützung im letzten Jahr verstärkt. Dort werden aktuell 34 Personen betreut, darunter Alexandra, deren Fall von der Mitarbeiterin Fanie Wirth gegenüber Radio SRF geschildert wurde. Alexandra aus Albanien wurde durch ein Facebook-Inserat angelockt: drei Monate Haushaltsarbeit in der Schweiz für monatlich 800 Franken.
Nach dem Tod ihrer Mutter und der Übernahme finanzieller Verantwortung für die Familie, nahm Alexandra das Angebot an. In Albanien lernte sie die Schwester ihrer späteren Arbeitgeberin kennen und fühlte sich vertrauenswürdig. Bei Ankunft in der Schweiz stellte sie fest, dass ihre Arbeitgeberin die Abmachungen nicht einhielt: Ihr Acht-Stunden-Tag wurde zu einer 24/7-Bereitschaft umgewandelt.
Druck und Isolation wurden ihr auferlegt, als sie sich über die Arbeitsbedingungen beschwerte. Alexandra erhielt keine Arbeitserlaubnis, lebte isoliert und wusste nichts von ihren Rechten oder dem Schweizer System. Die Familie drohte ihr mit Verhaftung.
Fanie Wirth erklärt, dass solche Ausbeutungsformen oft im Verborgenen stattfinden. Insbesondere bei privater Sorgearbeit fehle häufig die Sensibilität sowohl bei Behörden als auch Bekannten. Alexandra wurde für ihre Arbeit nur 150 Franken bezahlt, obwohl versprochen waren 2400.
Eine Polizeikontrolle führte schließlich zur Entdeckung des Verdachts auf Menschenhandel. Nach ihrer Überweisung an die FIZ erhielt sie umfassende Unterstützung. Wirth beschreibt das Gefühl der Sicherheit, das Opfer empfinden, wenn sie endlich Unterstützung finden.
Alexandra initiierte ein Strafverfahren gegen ihre Arbeitgeberin und kehrte nach Albanien zurück, wo sie nun in einem Hotel arbeitet und auf den Ausgang des Verfahrens wartet. Ob ihr Fall tatsächlich Menschenhandel darstellt, muss das Gericht entscheiden.
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