Trotz einer bemerkenswert positiven Wirtschaftsbilanz steht Präsident Javier Milei zunehmend unter Druck, da Inflation und Korruptionsskandale seine politische Glaubwürdigkeit schädigen. Obwohl Argentinien seit 2025 wieder wächst – mit erwarteten Steigerungen von über drei Prozent in diesem Jahr –, zeigen Umfragen eine steigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die jüngste Rede Mileis vor der Handelskammer in Buenos Aires offenbarte seine Empörung über die Inflation, die zuletzt wieder leicht anstieg. Nach einer Spitzenrate von 289 Prozent im April 2024 stagniert sie seit zehn Monaten nahezu und scheint nun eine Rate von bis zu 20 Prozent anzunähern.
Milei rechtfertigt seine Politik mit ökonomischer und moralischer Notwendigkeit. Er lehnt Inflationssteigerungen zugunsten von Wachstum und Beschäftigung als “Lüge, Betrug und Enteignung” ab und beharrt auf Haushaltsdisziplin sowie Deregulierung. Der ökonomische Erfolg zeigt sich in einem starken Wirtschaftswachstum und einem beispiellosen Handelsbilanzüberschuss seit 35 Jahren, angetrieben durch Exporte von Erdöl, Gas und landwirtschaftlichen Produkten.
Jedoch profitieren nicht alle Sektoren gleichermaßen. Die Arbeitsplatzverluste in Einzelhandel, Bau und Industrie konnten die Gewinne in Agro, Bergbau und Energie nicht ausgleichen, was zu einem Rückgang der verfügbaren Einkommen um 13 Prozent führte. Zudem sind viele Unternehmen unzureichend für den internationalen Wettbewerb gerüstet.
Politische Herausforderungen verschärfen Mileis Lage: Korruptionsskandale innerhalb seiner Regierung, darunter Vorwürfe gegen seine Schwester und den Regierungssprecher Manuel Adorni, schwächen sein Ansehen. Die Verbindung zu der kritisierten politischen Elite untergräbt seinen Image als Anti-Korruptionsreformer. Trotz einer sinkenden Ablehnungsrate von 37 Prozent unterstützen viele die Opposition aufgrund von Arbeitslosigkeit und Inflation.
Während Milei weiterhin an seiner Politik festhält, wächst der Druck sowohl innerhalb des Landes als auch in den Finanzmärkten. Investoren fürchten eine Rückkehr des Peronismus und sind skeptisch gegenüber einer nachhaltigen Erholung Argentiniens.