Afrika erlebt trotz globaler Abnahme bei Geburtenzahlen einen Bevölkerungsboom. Afrikanische Frauen bringen viermal so viele Kinder zur Welt wie chinesische, was bedeutet, dass bis 2045 jeder vierte Mensch in Afrika leben könnte. Im Jahr 2025 wurden hier 47 Millionen Neugeborene gezählt – fast achtmal so viele wie in Europa mit etwa 6,2 Millionen Kindern. Obwohl nur ein Fünftel der Weltbevölkerung in Afrika lebt, wird dort bereits mehr als jedes dritte Kind geboren. Die UNO prognostiziert, dass bis 2050 rund 2,5 Milliarden Menschen in Afrika leben werden, was einem Viertel der globalen Bevölkerung entspricht. Im Jahr 1900 waren es lediglich 140 Millionen.
In Nigeria allein wurden 2025 laut UNO-Daten 7,6 Millionen Kinder geboren – mehr als in der EU und den USA zusammen (jeweils rund 3,7 Millionen). Dies liegt an einer höheren Geburtenrate in Afrika; beispielsweise lag sie im Niger und Somalia bei etwa sechs Kindern pro Frau. Nigeria erreichte einen Wert von 4,3, leicht über dem afrikanischen Durchschnitt von vier.
Regional gibt es erhebliche Unterschiede: Im nördlichen Afrika sank die Geburtenrate auf 2,8 Kinder und zeigt weiterhin Abwärtstendenz. Die höchsten Raten finden sich in West- und Zentralafrika mit 5,4 bzw. 4,2 Kindern pro Frau. Im südlichen Afrika liegt sie bei 2,3.
Innerhalb der Länder gibt es ebenfalls Unterschiede: Nigerianische Frauen im Norden haben mehr Kinder als die überwiegend christlichen Südstämmigen. Der weltweite Trend zu geringeren Geburtenraten trifft auf Afrika nicht zu; hier liegt sie bei 4 Kindern pro Frau, während andere Kontinente unterhalb der notwendigen Stabilisierungsrate von 2,1 Kinder liegen.
Ein Gedankenexperiment verdeutlicht die langfristigen Auswirkungen: Während eine chinesische Bevölkerung in fünf Generationen schrumpft, vervielfacht sich die nigerianische Generationengröße.
Der Rückgang der Geburtenrate in Nigeria von 6 auf 4,3 zwischen 2000 und 2025 ist teilweise durch Urbanisierung bedingt. John Casterline hebt hervor, dass soziale und kulturelle Faktoren wie erweiterte Familienverbände den Kinderreichtum fördern. Trotz steigender Bildungsniveaus wird ein schneller Rückgang der Geburtenrate skeptisch gesehen.
Afrika könnte bis 2045 etwa 400 Millionen Einwohner in Nigeria erreichen, was es zum bevölkerungsreichsten Land machen würde. Gleichzeitig droht China einen Bevölkerungsrückgang von mehr als 100 Millionen Menschen bis 2050 zu erleiden.
Die Afrikanische Union strebt nach einem permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat, was Edward Paice zufolge nicht nur auf demografischen Faktoren basiert. Die politische Gewichtszunahme ist vielmehr auf die multipolare Weltordnung zurückzuführen.
Die Frage, ob das Bevölkerungswachstum Afrikas eine Stärke oder Schwäche darstellt, wird kontrovers diskutiert. Während einige Länder wie Côte d’Ivoire wirtschaftliches Wachstum durch jüngere Bevölkerungen erleben, fehlen in vielen anderen afrikanischen Staaten die Voraussetzungen für eine „demografische Dividende“. Die Auswirkungen der boomenden Bevölkerungszahlen zeigen sich bereits im zunehmend afrikanisch geprägten Christentum.