Mit Christian Jott Jennys Rücktritt als Gemeindepräsident von St. Moritz kehrt der Ort in bekannte Muster zurück, was problematisch sein könnte.
Christian Jott Jenny, ein Künstler aus Zürich und Gründer des Festivals da Jazz im Oberengadin, hat sich nach acht Jahren entschieden, nicht mehr für das Amt zu kandidieren. Er verkündete seinen Rückzug kurz vor der Anmeldefrist: “Ämter in Vier-Jahres-Zyklen sind üblich. Ich hatte genug von vier weiteren Jahren und will meinen fünfzigsten Geburtstag nicht im Amt verbringen. Nach zwei Amtszeiten ist es oft genug für die Wähler, ich möchte gehen, bevor ich als lästig empfunden werde,” erklärte er.
Bereits bei seiner Wahl 2005 stieß Jenny auf Kritik und Unmut einiger Anhänger des abgewählten Vorgängers. Der alte Vorstand kürzte den Lohn des neuen Gemeindepräsidenten, was als unpassendes Bubentrickli betrachtet wurde, das nicht nur den guten Geschmack verletzte, sondern auch gegen Gesetze verstieß. Jenny entschied sich jedoch dagegen, rechtliche Schritte einzuleiten: “Ich fand es nicht stilvoll, meine Gemeinde vor Gericht zu bringen,” erklärte er.
Unter Jennys Führung wurden wichtige Projekte realisiert, darunter eine neue Eishalle und bezahlbare Wohnungen für Einheimische. Doch auch Rückschläge gab es: Die Fusion mit den Nachbargemeinden scheiterte ebenso wie das CEO-Modell, das die Arbeitslast des Gemeindepräsidenten reduzieren sollte.
Jenny machte das Amt sichtbarer als je zuvor. Er trat auf jeder Bühne in Erscheinung und war Markenbotschafter sowie Präsidialvertreter. Unter seiner Regie wurden Feiern wie die 1.-August-Feier zu bedeutenden Ereignissen, mit Rednern wie Altbundeskanzler Gerhard Schröder und dem SVP-Politiker Christoph Blocher im Jahr 2021.
Mit Jennys Rücktritt, der als Präsident der Kulturstiftung und Festival da Jazz erhalten bleibt, ist Adriano Iseppi, ein Sportlehrer und Langlaufexperte, so gut wie gewählt. Er spricht von “Konsolidierung” und lobt Jennys Leistungen überdurchschnittlich.
Die Rückkehr zur Normalität wird als gefährlich angesehen, da St. Moritz in den Genuss des Komfortzustands geraten könnte. Die Wintersaison war historisch erfolgreich, mit Hotels, die enorme Umsatzzuwächse verzeichneten, und der Gemeinde, die wirtschaftlich floriert. Der Ort sitzt auf einem Vermögen von über 100 Millionen Franken, doch es gilt, klug damit umzugehen.
Dass ein Langläufer wie Iseppi nun ansteht, ist ironisch, da St. Moritz langfristig den Schnee als Hauptattraktion verlieren könnte. Die Gästezahl im Wintersport nimmt ab; der Sommer wird zunehmend wichtiger für das Wachstum des Ortes. Ob Iseppi die richtige Wahl ist, bleibt fraglich.