Für eine kritische Reportage über unkontrollierte Migration wurde Julia Ruhs, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk (BR), von Kollegen scharf angegriffen. Nun widmet sie sich einem weiteren strittigen Thema: dem Einfluss des Islamismus in Deutschland.
Ein prägnantes Moment der Sendung «Wo Islamisten Deutschland unterwandern» zeigt Julia Ruhs, wie sie zusammen mit Sami Alkomi, einem Helfer für Flüchtlinge syrischer Herkunft, durch Berlin-Neukölln spaziert. Sie spricht Migranten auf Arabisch an: Auf die Frage, ob er Scharia oder Grundgesetz bevorzuge, antwortet ein Jugendlicher: «Deutschland interessiert mich nicht, ich folge der Scharia.» Eine weitere Gruppe junger Männer wird befragt; nur einer äußert Kritik an der islamischen Regel, dass Ehebrecher getötet werden sollen. Widerspruch erhält er sofort: Ein Begleiter droht mit Gewalt gegen seine unverheiratete Schwester und schwört auf Gott.
Das Material nutzt Ruhs für die BR-Produktion «Klar», die zusammen mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) entsteht. Die Sendung, moderiert von Ruhs und Tanit Koch, frühere Chefredakteurin von Bild, behandelt kontroverse Themen wie illegale Migration aus islamischen Ländern, Freiheitseinschränkungen in der Corona-Pandemie und Gewalt gegen Polizisten. Die Reihe nimmt eine liberal-konservative Perspektive ein.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk nutzt die Sendung, um Vorwürfe der Linkslastigkeit zu entkräften, was intern nicht auf Zustimmung stieß. Auf Ruhs’ erste Folge zum Thema Migration reagierte der NDR mit einem Protestbrief, in dem ihre Moderation als oberflächlich kritisiert wurde. Kurzzeitig wurde Ruhs von ihrer Position abberufen und Tanit Koch zur Co-Moderatorin ernannt.
Der Titel «Klar» verspricht Offenheit im Diskurs; die Reportage von Julia Ruhs, die am Mittwochabend ausgestrahlt wird, zeigt jedoch eher verwirrendes Bildmaterial. Die Folgen reichen vom Thema Halal-Zertifikate zu einem Lehrer im Ruhestand, der eine anonyme Todesdrohung wegen einer Diskussion über Karikaturen des Satiremagazins «Charlie Hebdo» erhielt, bis hin zur Online-Propaganda des Islamischen Staates.
Weitere Szenen zeigen eine Schulleiterin, die von religiösem Mobbing berichtet, und einen Überlebenden eines Anschlags in München. Es wird auch ein Gespräch mit einer verschleierte Muslima über häusliche Gewalt geführt sowie mit einem salafistischen Prediger und Teilnehmern einer antiisraelischen Kundgebung.
Die Reportage leidet unter mangelndem Tiefgang zur Ideologie des Islamismus, seiner Strömungen und terroristischen Zweigen. Die Expertin Gülden Hennemann, frühere Verfassungsschützerin, betont zwar die Absichten des Islamismus, erklärt jedoch nicht ausreichend die Grenzen zwischen Religion und Radikalismus.
Radikale Muslime vertreten unterschiedliche Ansichten über das Leben in nichtmuslimischen Gesellschaften. Viele spätere Attentäter wurden bereits vor ihrer Ankunft in Deutschland radikalisiert, oft durch Videos im salafistischen Spektrum. Ein offener Diskurs sei notwendig, so Hennemann, um gemeinsam festzulegen, wie wir leben wollen.
Die Sendung «Wo Islamisten Deutschland unterwandern» ist am Mittwoch um 22 Uhr auf BR und NDR zu sehen. Sie ist bereits in der ARD-Mediathek verfügbar.