“Meiner Meinung nach sind die Perspektiven junger Frauen in der Politik stark unterrepräsentiert. Das möchte ich ändern,” erklärt Noemi Amstutz, eine 23-jährige EVP-Politikerin. Fiona Graham, 25 Jahre alt und Einwohnerrätin der SP, betont: “Mir ist es besonders wichtig, dass Kultur für Jung und Alt weiterhin gefördert wird und nicht kaputtgespart wird.”
Die Gründe für die Wahl vieler junger Leute in das Gemeindeparlament sind vielseitig. Viele von ihnen sind trotz Studium in anderen Schweizer Regionen stark mit Riehen verbunden und möchten sich dort engagieren. Linke Parteien sowie Parteien aus der Mitte haben diese Jungpolitiker unterstützt, die auch Mitglieder bei Juso, SP, Grünen oder EVP sind.
Insgesamt sieben Politikerinnen und Politiker unter 28 Jahren sind neu im 40-köpfigen Riehener Einwohnerrat. “Ich finde es toll, ich habe eine riesige Freude,” sagt Christine Kaufmann, die Gemeindepräsidentin (EVP). “Im Einwohnerrat entscheiden wir über die Zukunft von Riehen; da müssen die Jungen Teil davon sein.”
“Riehen ist ein sehr interessanter Fall. Die Jungen sind in der Politik massiv übervertreten,” sagt Daniel Höhmann, ein Politologe an der Universität Basel, der sich mit der Repräsentation verschiedener Gruppen in politischen Gremien beschäftigt. Zum Vergleich: Im Nationalrat sind im Schnitt sechs Prozent der Abgeordneten unter 30 Jahre alt, während in Riehen über 17 Prozent der neuen Einwohnerräte unter 30 sind. Dies sei einzigartig in der Schweiz.
Trotz ihrer Minderheit im Parlament sieht Höhmann Erfolgschancen für die Jungpolitiker. “Sie sind mit grossem Schwung gestartet und können Allianzen bilden,” so der Politologe. Entscheidend sei, dass sie ihre Themen auf die politische Agenda setzen könnten, was andere Parteien unter Druck setzt.
Riehen hat eine sehr alte Bevölkerungsstruktur: Fast die Hälfte der Einwohner ist über 65 Jahre alt, wie die “Statistik der Schweizer Städte 2025” zeigt. Riehen liegt damit im dritten Platz bezüglich des Altersquotienten in der Schweiz, wobei durchschnittlich 30 Prozent der Menschen über 65 sind.
Die Gemeinde steht vor finanziellen Herausforderungen und plant Leistungskürzungen, besonders im Sozial- und Bildungsbereich. Die jungen Politiker wollen sich dagegen wehren, wie Noah Weber von den Grünen betont: “Wir haben einen WhatsApp-Chat für schnelle Absprachen.”
Noemi Amstutz hebt die strategische Verteilung der Kommissionssitze hervor: “So können wir Einfluss gewinnen und Mehrheiten erreichen,” sagt sie. Riehen muss nun finanzpolitisch neu ausrichten, und der Politiknachwuchs will dabei mitbestimmen.