Obwohl 90 Prozent der globalen Fracht auf Containerschiffen transportiert werden und nur fünf Prozent den Weg durch die Straße von Hormus nehmen, verschärft sich die Situation laut Paolo Montrone, einem Meereslogistikexperten bei Kühne + Nagel, mit jeder weiteren Stunde des Konflikts. Seit 37 Jahren im Unternehmen tätig, berichtet er über zunehmenden Stau in Häfen nahe der Konfliktzone, bedingt durch ein hundertjähriges Gesetz, das es Schiffen gestattet, Waren bei Gefahr an alternativen Orten zu entladen – auf Kosten der Kunden. Dieses Verfahren nennt sich “Termination of Voyage”.
Solche Notladerhäfen sind oft kleinere Anlagen mit unzureichender Infrastruktur, was zu einer Akkumulation von Containern und deren Fehlen an anderen Orten führt. Die Umleitung der Güter auf dem Landweg gestaltet sich kostspielig, nicht zuletzt wegen des Mangels an LKW-Fahrzeugen.
Zudem fehlt es zunehmend am Treibstoff für die Schiffe. Da nur wenige Häfen das Tanken von großen Containerschiffen ermöglichen und diese bereits überlastet sind, mangelt es auch an Schweröl. Hinzu kommen explodierende Kosten durch Kriegsgefahren, Versicherungen, Treibstoffmangel sowie Umwege, weshalb Reedereien Notzuschläge von bis zu 4000 Dollar pro Container verlangen.
Philippe Binard von Freshfel, dem europäischen Verband für Frischwaren, berichtet, dass die Preise für den Nahosttransport bereits vervierfacht sind. Da Gemüse und Obst einer Kühlung bedürfen, trifft es seine Branche besonders hart: Kühlschiffe stehen blockiert oder nehmen Umwege um Afrika.
Logistikexperten rechnen mit einer Woche bis zur Normalisierung bei jedem Tag der Störungen. Laut Montrone könnten die aktuellen Probleme innerhalb von vier bis sechs Wochen globale Lieferketten beeinträchtigen, was bereits jetzt zu einem Mangel an Dünger und Plastikverpackungen führt – ein Worst-Case-Szenario vergleichbar mit der Pandemie.
Die Mehrkosten für das Chaos sind beträchtlich: Rolf Habben Jansen von Hapag-Lloyd nennt 40 bis 50 Millionen Dollar pro Woche. Diese Kosten werden an die Containerbesitzer weitergegeben und letztendlich den Verbrauchern aufgebürdet.