Täuschend echt wirkende, künstlich generierte Nacktbilder und Pornovideos überfluten das Internet. Der rechtliche Rahmen auf nationaler Ebene zeigt Lücken. Nun sollen die Kantone verstärkt gegen digitale Gewalt vorgehen. Mit nur wenigen Klicks entstehen solche Deepfakes – künstlerisch gestaltete, pornografische Inhalte, erstellt mit Alltagsbildern und speziellen Online-Tools. Diese Technologie ermöglicht es, Frauen in ihrer Intimsphäre zu verletzen und ihren Ruf zu zerstören, oft aus Rachsucht oder Sexismus. In Deutschland sorgte der Fall von Schauspielerin Collien Fernandes für Aufsehen. Ihr Ex-Mann Christian Ulmen erstellte Fake-Profile und verbreitete pornografische Deepfakes im Namen Fernandes. In der Schweiz berichteten Influencerinnen über die Verbreitung von Fake-Pornovideos in öffentlichen Telegram-Channels. Die gesetzlichen Regelungen zur Bekämpfung solcher Vorfälle sind unzureichend. Eine 2023 eingeführte Strafbestimmung gegen «revenge porn» ist zu eng gefasst, um Deepfakes zu erfassen. Andere Tatbestände wie Identitätsmissbrauch bedürfen weiterer rechtlicher Klärungen. Ein Bundesgesetz zur Verpflichtung von Plattformbetreibern bei der Bekämpfung von Deepfakes steht noch aus und wird kritisiert, da es nicht genügend verbindliche Kooperationspflichten vorsieht. Eine Allianz von Politikerinnen aus sieben Deutschschweizer Kantonen fordert deshalb konkretere Maßnahmen. In Zürich reichte Mandy Abou Shoak von der SP den Vorstoß ein, um strukturelle Verbesserungen zu erreichen. Die Justiz sei überlastet, Betroffene kämpften oft mit schneller Verbreitung und unklaren Zuständigkeiten. Es gehe darum, schnellere Rechtshilfe für Opfer digitaler Gewalt sicherzustellen. Ein Aktionsplan soll bestehende Instrumente auf digitale Gewalt ausrichten und spezialisierte Anlaufstellen schaffen. Die Kantonspolizei Zürich sieht Deepfakes als eine wachsende Herausforderung, da die Herstellung immer einfacher wird. Sicherheitsdirektor Mario Fehr betont das ernst gemeinte Handeln gegen diese Bedrohung. Straftatbestände wie Ehrverletzung und Identitätsmissbrauch werden bereits verfolgt, doch Kooperationen mit Plattformen sind entscheidend für die Entfernung von Inhalten. Präventionsarbeit in Schulen soll Medienkompetenz stärken. Opfern wird empfohlen, Beweise frühzeitig zu sichern und Anzeige zu erstatten. Das Polizeigesetz sieht vor, künstliche Intelligenz zur Datenanalyse einzusetzen, um Verdächtige besser identifizieren zu können. Betroffene fordern schnelle Hilfe, da Deepfakes ihr Leben dramatisch verändern können. Eine Betroffene beschreibt den Missbrauch als extrem psychische Gewalt, die sie tief getroffen hat.