Die Fluggesellschaft Swiss ist einem neuen Problem ausgesetzt, das durch KI-Technologie erzeugte gefälschte Bilder betrifft. Diese zeigen eine Maschine der Swiss in Delhi mit einer Triebwerkspanne – ein Szenario, das nie stattfand. Die Schweizer Luftfahrtbranche sieht sich nun einem Dilemma gegenüber. Ein vermeintlich dramatisches Ereignis am Rollfeld des Flughafens in Delhi wurde durch Bildmaterial auf sozialen Medien suggeriert: Ein Foto zeigt eine Swiss-Maschine, aus deren Triebwerk dichter Rauch quillt. Die Bildunterschrift verkündet: «Breaking News: Ein Airbus A330 der Swiss bricht den Start in Delhi wegen eines Triebwerksbrands ab, sechs Passagiere werden verletzt». Mehrere Variationen dieses Bildes sind im Umlauf – doch alle sind gefälscht. In Wirklichkeit ereignete sich am 26. April um halb zwei Uhr morgens ein technisches Problem bei einem Startlauf in Delhi, woraufhin die Piloten das Manöver sofort abbrachen und zu einer Evakuierung übergingen. Die Rettung erfolgte mittels Notrutschen und gelegentlich auch Treppen für weniger mobile Passagiere. Videos von Augenzeugen zeigen ein großes Löschfahrzeug, welches Wasser auf das Flugzeug richtet – ein Feuer blieb jedoch aus. Die gefälschten Bilder verzerren die Realität des Vorfalls: Eine technische Störung mit Evakuierung wird als dramatischer Brand dargestellt. Diese verzerrte Darstellung beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung, bevor Fakten geklärt sind, und wurde von mehreren Medien unbewusst verbreitet. Léa Wertheimer, Kommunikationschefin der Swiss, betont gegenüber der NZZ: «Unser Vertrauen basiert auf Sicherheit – dies ist unsere höchste Priorität.» Die Bilder schaffen eine gefährliche Diskrepanz zwischen Bericht und Realität: Bei einem echten Brand gäbe es keine Zeit für die Organisation von Treppen. Der Vorfall in Delhi zeigt, dass KI-generierte Bilder zunehmend auch im Wirtschaftsbereich manipuliert werden. Diese Technologie greift reale Unternehmensmeldungen auf und verbreitet sich viral, was unmittelbar das Image und die Börsenkurse beeinflussen kann. Die Swiss entdeckte die gefälschten Aufnahmen eher zufällig. Obwohl sie Social-Media-Plattformen überwacht, ist es nahezu unmöglich, alle relevanten Inhalte zu erfassen. Insbesondere Bilder, die auf den ersten Blick glaubwürdig erscheinen, stellen eine Herausforderung dar. Nach der Entdeckung wurden die KI-Bilder einer internen Task-Force übergeben, um sie mit anderen Bildern und Videos des Vorfalls zu analysieren. Die Swiss sammelt Material von Passagieren, Zuschauern und Spotters, um den Ablauf präzise nachvollziehen zu können. Bei dieser Analyse kommen weitere gefälschte Inhalte zutage. Es fehlen klare Richtlinien für den Umgang mit solchen Fällen; die Swiss muss entscheiden, welche Prozesse sinnvoll sind. Eine mögliche Strategie wäre, eigene Bilder von Vorfällen proaktiv zu veröffentlichen – bisher wurde dies jedoch vermieden. Die fehlende Bilddokumentation durch die Airline schafft einen Raum für Dritte, gefälschtes Material einzufügen. Die Swiss diskutiert aktuell intensiv über diese Herausforderung und sucht nach neuen Ansätzen in der Krisenkommunikation. Bislang beschränken sich solche Vorfälle auf weniger bedeutende Zwischenfälle, doch die Frage bleibt: Wie kann die Informationshoheit gewahrt bleiben? Die Swiss hat noch Zeit, Strategien für zukünftige digitale Täuschungen zu entwickeln.