Inmitten des KI-Booms entscheiden sich einige Menschen bewusst gegen den Einsatz dieser Technologie, was auf dem Arbeitsmarkt zu Sorgen um ihre berufliche Zukunft führt. Diese Gruppe von sogenannten ‘KI-Veganern’ lehnt es ab, künstliche Intelligenz in ihrem Alltag zu nutzen.
Eine Frau aus Bern veröffentlichte auf Instagram ihren Hass gegen AI (Artificial Intelligence). Sie wünscht sich, KI-generierte Kunstwerke melden zu können. Ebenso ärgert sie sich über den Ressourcenverbrauch von KI-Systemen, die Menschen von grundlegenden Aufgaben wie dem Umschreiben eines Satzes oder der Bildbearbeitung entlasten – Prozesse, die bereits bei einfachsten Anwendungen wie ChatGPT 0,3 Wattstunden verbrauchen.
Eine Teilnehmerin eines Zürcher Malkurses fand sich mit einer von KI erstellten Landschaft als Vorlage konfrontiert. Für sie sind solche Bilder unannehmbar, ungeachtet ihrer Qualität. Ein französischer Verkaufsberater im Alter von 23 Jahren äußert Bedenken über die Einfachheit der Tools, da diese menschliches Engagement verringern könnten.
Eine Übersetzerin befürchtet den Verlust eigener Fähigkeiten wie Schreiben und Recherchieren. Théophile Fenal, ein 30-jähriger Auktionator, sieht in KI das Potenzial für Entfremdung und geistige Einschränkungen, weswegen er sich entschieden hat, keine KI mehr zu verwenden.
Der Arbeitsmarkt bereitet sich indessen auf den verstärkten Einsatz von KI vor. Angestellte Schweiz reagierte mit der Gründung der Denkfabrik “einstAIn”, die in einem Bericht feststellt: “KI ist für die Schweiz kein Versprechen, sondern ein Prüfstein für den Wohlstand”.
Der Verbandspräsident Alexander Bélaz zeigt Verständnis für die kritische Haltung der KI-Veganer. Allerdings sei eine totale Ablehnung von KI riskant und könnte zu einem Berufsabstieg führen, da Führungskräfte zunehmend Personen mit starken KI-Kompetenzen bevorzugen.
Laut Alexandra Kaiser-Duliba, Ethikerin an der Universität Luzern, ist die Sorge um den Verlust kognitiver Fähigkeiten berechtigt. Sie warnt vor einer Entwicklung zur geistigen Prothese durch unreflektierten Einsatz von datenbasierten Systemen und betont die Notwendigkeit des Umgangs mit diesen Technologien.
Im Gegensatz zu früheren technologischen Entwicklungen, zielt KI laut Kaiser-Duliba darauf ab, Menschen in der Wertschöpfungskette durch selbstlernende Systeme kosteneffizienter zu ersetzen, was eine massive Reduktion bezahlter beruflicher Aufgaben nach sich ziehen könnte.
Die Ethikerin bezieht sich auf dystopische Szenarien, die Roboter zeigen, wie sie Menschen Jobs wegnehmen und sogar töten. Sie fragt, warum es keine Gegenreaktion gibt, bevor eine solche Zukunft Realität wird. Die Existenz einer technologischen Innovation erzeugt den gesellschaftlichen Druck, sie anzuwenden.
Kaiser-Duliba kritisiert die Rolle multinationaler Technologiekonzerne in diesem Prozess und fordert stattdessen einen Wandel im Wirtschaftssystem. Sie schlägt ein hohes Grundeinkommen mit gesellschaftlichem Engagement vor, um technologiebedingte Jobverluste gerecht zu bewältigen.