Die Universität Luzern steht aufgrund ihrer Verbindungen zur Tabakindustrie in der Kritik. Ein Ranking von Oxysuisse, das die Beziehungen zwischen Schweizer Hochschulen und dem Tabaksektor untersucht, zeigt sie an zweitletzter Stelle unter 31 Institutionen. Der Grund für diesen schlechten Abschluss liegt in einem Privatgutachten eines Wirtschaftsprofessors der Universität. Eine Untersuchung von Oxysuisse offenbarte im Februar die Verbindungen zwischen Hochschulen und der Tabakindustrie. Dabei entstand auch ein Ranking, das bislang wenig Beachtung fand. Die Universität Luzern geriet ins Visier wegen einer Zusammenarbeit ihres Wirtschaftsprofessors Christoph Schaltegger mit der Tabakbranche. Dieses Gutachten wurde im Auftrag von ‘Swiss Cigarette’ erstellt und kam zu dem Schluss, dass Raucher die AHV weniger belasten, da sie früher sterben. Die Studie trug das Logo der Universität Luzern, obwohl es sich um ein nicht veröffentlichtes Gutachten handelte. Die Direktorin von Oxysuisse, Michela Canevascini, kritisiert sowohl die fehlende Transparenz der Uni als auch des Professors Schaltegger. Im Gegensatz dazu gab es im Fall eines anderen Professors aus Luzern keine institutionelle Verbindung zur Hochschule. Canevascini betont, dass das Logo auf dem Gutachten Fragen aufwirft und die Universität Luzern ebenfalls in der Pflicht steht. Sie sieht darin eine Verletzung von Transparenzpflichten. Die Studie wurde als zynisch empfunden, besonders im Vergleich zu einem ähnlichen Fall in Tschechien, bei dem es einen Skandal gab. Die kantonale Gesundheitsdirektorin und ein Universitätssprecher betonen, dass es sich um eine private Angelegenheit handle. Die Universität Luzern erklärte, sie sei nicht Teil des Vertrags zwischen Professor Schaltegger und Swiss Cigarette. Sie werde den Fall genauer prüfen, um die Einhaltung der Transparenzregeln sicherzustellen. Emeritierter Staatsrechtsprofessor Markus Müller von der Universität Bern weist darauf hin, dass Professoren auch im privaten Auftrag als Repräsentanten ihrer Universität agieren. Er betont das öffentliche Interesse an solchen Verträgen und die Notwendigkeit der Transparenz. Die Universität Zürich hingegen hat strengere Regeln für Professorinnen und Professoren, die Gutachten verfassen, um Konflikte mit universitären Interessen zu vermeiden. Sie erfordert eine Deklaration von Nebentätigkeiten über 50’000 Franken und prüft Verträge auf ihre Vereinbarkeit. Quellen: Studie und Ranking von Oxysuisse, Austausche mit Michela Canevascini (Oxysuisse), Sabine Gysi (Universität Luzern), Gesundheitsdepartement Kanton Luzern, Markus Müller (emeritierter Staatsrechtsprofessor, Universität Bern) sowie Melanie Nyfeler (Medienstelle der UZH).