Deutschland plant durch erhöhte Preisabschläge auf Medikamente erhebliche Einsparungen. Gleichzeitig muss der Pharmakonzern Anlegerbedenken über Patentabläufe zerstreuen.
Die Schweizer Pharmaindustrie sah Deutschland lange als Vorzeigebeispiel, da das Land die Bedeutung der Branche für die Wirtschaft erkannt hatte, insbesondere durch die preiswerte Zulassung neuer Medikamente. Doch eine Gesundheitsreform unter Ministerin Nina Warken, die 20 Milliarden Euro sparen soll, hat diese Ansicht geändert. Novartis-Chef Vas Narasimhan bezeichnete am Dienstag die Sparvorschläge während einer Telefonkonferenz zum ersten Quartalsergebnis als “ein falsches Signal”.
Die Reform sieht vor, dass auch die Pharmaindustrie höhere Rabatte auf patentgeschützte Medikamente gewährt. Die deutsche Regierung erwartet Einsparungen von 1,9 Milliarden Euro im Jahr 2027, mit einem Anstieg auf 6,4 Milliarden Euro bis 2030.
Diese Pläne stehen im Widerspruch zu den Forderungen der Pharmabranche und auch Narasimhans eigener Ansicht, dass europäische Patienten einen größeren Anteil an Forschungs- und Entwicklungskosten tragen sollten. Dieser Druck entsteht durch die Absichten von US-Präsident Donald Trump, Medikamentenpreise in den USA an das Niveau anderer Industrieländer anzupassen.
Narasimhan hofft, dass deutsche Politiker ihre Entscheidungen überdenken. Zusätzlich belastet sind Novartis-Umsätze durch Patentabläufe bei wichtigen Medikamenten wie Entresto, dessen Verkäufe um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgingen.
Am Dienstagmorgen verlor die Aktie kurz nach Handelsbeginn bis zu vier Prozent an Wert und erholte sich später im Tagesverlauf leicht. Einige Anleger könnten Gewinne realisiert haben, nachdem der Titel in den letzten Monaten stark gestiegen war.
Um Umsatzrückgänge auszugleichen, setzt Novartis verstärkt auf Zukäufe. Zu diesen zählt The Medicines Company, das für das Cholesterinmedikament Leqvio erworben wurde und möglicherweise in der Zukunft bedeutender wird als Entresto.
Narasimhan bestätigte den Kurs mit größeren Akquisitionen wie Avidity (12 Milliarden Dollar) und kleineren Deals. Er plant, die Strategie fortzuführen und setzt auf Weiterentwicklungen der eigenen Medikamente sowie neue klinische Studien in der zweiten Jahreshälfte.
Novartis erwartet weiterhin einen moderaten Umsatzwachstum bis 2026 und ein leicht niedrigeres bereinigtes Ergebnis. Die Auswirkungen von Trumps Preissenkungsplänen auf die Pharmaindustrie bleiben unklar, wobei 2027 entscheidend sein könnte.
Das erste betroffene Medikament ist Ianalumab gegen Autoimmunerkrankungen. Trotz Fortschritte in der Preispolitik sieht Narasimhan noch keine signifikanten Entwicklungen in Schlüsselmärkten wie Deutschland und Japan.