Im Kontext angespannter Beziehungen zu den USA hat Kuba angekündigt, 2010 Häftlinge freizulassen. Die kubanischen Staatsmedien bezeichneten die Begnadigungen als Teil des rechtlichen Verfahrens zur Gewährung von Haftvergünstigungen und betonten, dass es sich um eine «humanitäre und souveräne Geste» vor Ostern handele. Ausgeschlossen sind Sexualstraftäter sowie Personen mit schweren Straftaten.
Nach der Einführung eines Ölembargos durch die USA im Januar verschärften sich in Kuba die Stromausfälle, was die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter belastete. US-Präsident Donald Trump und Aussenminister Marco Rubio hatten sich für ein Ende des Regimes ausgesprochen und Militärschritte nicht ausgeschlossen. Zurzeit gibt es keine offizielle Stellungnahme der USA zur kubanischen Freilassungspolitik.
Die Begnadigungen könnten mit einer jüngsten Lockerung des Ölembargos zusammenhängen, nachdem die US-Marine einen russischen Tanker durchließ. Zuvor waren Sanktionen gegen alle Länder angedroht worden, die Kuba mit Öl beliefern.
Im März wurden bereits 51 Gefangene freigelassen, was Teil einer Gesprächsrunde mit dem Vatikan war. Seit fünfzehn Jahren hat Kuba insgesamt 11 000 Gefangene begnadigt. Unklar bleibt, ob die neue Welle auch jene umfasst, die bei den Juli-Protesten 2021 verurteilt wurden.
Opposition und Menschenrechtsgruppen bezeichnen diese als politische Gefangene, während Kuba dies bestreitet. Die Regierung steht aufgrund von Reisebeschränkungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten unter Druck. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sank die Zahl der Touristen um 30 Prozent.
Diskussionen zwischen den USA und Kuba sind bekannt, bei denen Kuba Freilassung und wirtschaftliche Öffnung angeboten haben soll. Die Forderungen der USA zielen jedoch auf einen Regimewechsel ab. Der aktuelle Stand der Verhandlungen ist ungewiss.