Frech, trashig und temporeich – die Geschichten von Grenzgängern in der Südschweiz gehen weiter. Aromat zu Rösti passt, doch mit Spaghetti Carbonara geschmacklich zu verbinden, ist ein Verbrechen gegen die italienische Kultur, besonders wenn Rahm hinzugefügt wird, wie es Betty Bossi hierzulande populär machte.
Food-Bloggerin Christa Esposito (Christa Rigozzi), gerade als Vermittlerin der italienischen Kultur angekündigt, begeht genau diesen Frevel. Gottes Zorn manifestiert sich im Hintergrund durch Mozarts «Dies irae» aus dem Requiem.
Die Tessiner Komödie «Frontaliers Sabotage» greift nationale und regionale Eigenarten auf unter der Prämisse, dass die Produktion von vier großen Schweizer Schokoladenfabriken, einschließlich der realen Tessiner Firma Stella, durch Fremdeinwirkung ungenießbar geworden ist. Steht die Schokolade in Gefahr, so gilt Ähnliches wie wenn Aromat in amerikanische Hände gerät: Die nationale Identität steht auf dem Spiel.
Der Bund setzt eine internationale (oder besser gesagt interkantonale) Task-Force ein, deren Mitglieder vom Wallis bis nach Graubünden reichen. Bei einem Fest eines süditalienischen Industriellen, des mutmaßlichen Drahtziehers der Sabotageakte, soll sich die Elitetruppe am Comersee unter die Gäste mischen und jemand muss sie in die italienische Lebensart einführen.
Da Christa Esposito sich selbst für diese Rolle diskreditiert hat, kommt Roberto Bussenghi ins Spiel – ein typischer Italiener. Der Grenzgänger fährt täglich mit seinem alten roten Fiat Panda nach Lugano zur Arbeit und wird dabei vom begriffsstutzigen Grenzwächter Loris J. Bernasconi (Paolo Guglielmoni) am Zoll von Bizzarone auf bizarre Weise schikaniert. Nun müssen sich die beiden Erzfeinde in der Task-Force zusammenraufen.
Die Rivalität dieser Figuren war schon immer das Herzstück der Reihe um Frontalieri, die im Tessin noch mehr Gemüter bewegen als der Zustrom von Deutschen manchmal die Deutschschweiz. Ursprünglich populäre Radio- und Fernseh-Sketches bei RSI entwickelten sich vor acht Jahren zu einer Kinoversion «Frontaliers Disaster», die mit über 30 000 Eintritten einen Rekord im Tessiner Filmgeschäft aufstellte. Teil zwei, wieder unter der Regie von Alberto Meroni, erfreut sich seit Jahresbeginn ähnlicher Beliebtheit und ist nun auch nördlich des Gotthards zu sehen.
Die Hassliebe zwischen Südschweizern und Norditalienern treibt diesmal nicht die Handlung voran, was die satirische Schärfe dämpft, aber nicht den Unterhaltungswert. Die Darsteller-Crew verleiht selbst den schrägsten Figuren Leben und Liebenswürdigkeit, allen voran Flavio Sala aus Locarno in einer abgefahrenen Doppelrolle. Christa Rigozzi, Miss Schweiz 2006, zeigt im Kinodebüt viel Talent fürs Urkomische und spielt die in Niederbipp aufgewachsene Seconda mit köstlichem Deutschschweizer Akzent.
Die abenteuerliche Agentengeschichte dient nur als Plattform für ein Feuerwerk an Slapstick und Pointen, wobei das Timing und der Tempowechsel sicher getroffen werden. Zu viel Klamauk ist gelegentlich vorhanden, was zu Augenrollen führt. Doch der Vergleich mit dem Zürcher Film «Bon Schuur Ticino» zeigt: Die frechen Komödien mit einer Prise Trash und Anarchie stammen aus den Grenzgebieten, ob im Wallis («Tschugger») oder nun im Tessin.
«Frontaliers Sabotage», ab sofort im Kino.