Südwestlich von Düsseldorf, einst Teil des nuklearen Schutzschirms des Westens während des Kalten Krieges, hat sich die Sperrzone Hombroich in eine offene Kunstlandschaft verwandelt. Hier sprießt rheinländischer Weisskohl und der Zilpzalp pfeift aus Eschen-Kronen. Der Krieg ist Geschichte; bis 1985 diente Hombroich mit seinen Nike-Hercules-Raketen, die Atomsprengköpfe führten, als strategische Basis im NATO-Luftverteidigungsgürtel von Nordkap bis in die Türkei. Dreihundert belgische Soldaten und amerikanische Unterstützung sicherten damals den Luftraum über weite Distanzen. Heute reflektiert das Gelände, wo einst Krieg vorherrschte, einen friedlicheren Zweck. Ute Langanky, Malerin und Fotografin, lebt seit 30 Jahren in der ehemaligen Kommandozentrale mit ihrem Ausguck auf Düsseldorfer Fernsehturm und die künstliche Pulverschneepiste von Neuss. In den Fenstern des Wachturms zeugen Einschusslöcher noch von der GSG 9, Deutschlands Anti-Terror-Einheit, während heute Künstleratmosphäre herrscht. Die architektonischen Werke sind ein Zeugnis der Transformation: Raimund Abraham’s „Haus für Musiker“, Álvaro Siza Vieiras Fotopavillon und Tadao Andos gläserne Kunsthülle prägen die Landschaft. Erwin Heerichs Türme aus belgischen Klinkern runden das Bild ab, während manche militärischen Relikte erhalten blieben. Oswald Egger beschreibt diesen Ort in seiner topografischen Literatur als „areales Areal“, wo der frühere martiale Zweck noch nachhallt. Thomas Kling und Herta Müller gehörten zu den vielen Schriftstellern, die hier von Kunstförderung profitierten. Die Vision des Düsseldorfer Immobilienentwicklers Karl-Heinrich Müller verwandelte das Gelände in eine einzigartige Kulturlandschaft. Seine Kunstsammlung im demokratischen „Parkmuseum“ bietet ein pädagogisches Erlebnis ohne Erläuterungen, eingebettet zwischen Werken von Picabia bis Matisse. Vierundsechzig Hektar umfasst die kulturelle Oase mit über vierzig Bauten, darunter das 2020 errichtete „Ein Stein Teehaus“ des japanischen Architekten Terunobu Fujimori. Die ehemalige Raketenstation ist heute ein Zeugnis der Verschmelzung von Kunst und Geschichte, unterstützt durch die Stiftung Insel Hombroich.