Infolge des verheerenden Brands von Crans-Montana plant der Bundesrat, Opfer, Angehörige, Versicherer und Behörden an einen runden Tisch zu bringen. Als Leiter dieses Gremiums wurde Laurent Kurth eingesetzt, ein ehemaliger Neuenburger Regierungsrat und erfahrener Gesundheitsökonom. Mit 58 Jahren steht er vor einer bedeutenden Aufgabe: die außergerichtliche Regelung von finanziellen Entschädigungen für 41 Todesopfer und 115 Verletzte, wobei es um Dutzende Millionen Franken geht.
Der frühere Finanzdirektor Kurth, der heute den Verwaltungsrat der Unisanté leitet, war in seiner Amtszeit bekannt dafür, finanzielle Engpässe entschlossen anzugehen. Trotz heftiger Kritik und öffentlichen Buhrufen gelang es ihm damals, kontroverse Sparmassnahmen durchzusetzen.
In einem Interview mit SRF News erläuterte Kurth seine Rolle als Facilitator: “Ich bin nicht der Richter, sondern ein Vermittler. Der Bundesrat hat mich eingesetzt, um zu vermeiden, dass Opfer oder ihre Familien einzeln gegen die Versicherungen klagen müssen. Mein Ziel ist es, eine gerechte und effiziente Lösung zu finden.” Die Justiz könnte durch den hohen Fallzahlen überlastet werden, was Kurth als unverantwortlich ansieht.
Kurths Stärken liegen in seiner Erfahrung mit politischen, finanziellen und institutionellen Krisen. Er betont die Bedeutung eines kühlen Kopfes und der Fähigkeit zur Differenzierung und Überzeugungsarbeit. Sein Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten gerecht erscheint.
Die genaue Zusammensetzung und die Regeln des runden Tisches sind noch offen. Es soll aber vermieden werden, dass zu viele Personen an den Verhandlungen teilnehmen, um effektive Ergebnisse erzielen zu können.
Kurth sieht sowohl Erfolg als auch Scheitern der Verhandlungen als möglich an. Der Bundesrat rechnet mit einer Dauer bis 2030 oder sogar darüber hinaus, wohingegen Gerichtsverfahren die Entschädigungsprozesse noch länger verzögern könnten. Das Gespräch führte Philippe Reichen.