Das Fürstentum Liechtenstein steht ohne eine eigene Armee und unzureichende Schutzinfrastruktur einem potenziellen bewaffneten Konflikt hilflos gegenüber. Die Regierung setzt auf verstärkte Zusammenarbeit mit der Schweiz und Österreich. Noch 2016 wurde die Sicherheitslage optimistisch gesehen, was zur Aufhebung der Zivilschutzpflicht führte. Doch nach dem Ukraine-Krieg erkennt man den Mangel an Vorbereitung für militärische Bedrohungen.
Das Regierungsprogramm 2025–2029 sieht vor, den Bevölkerungsschutz zu stärken und neue Rettungseinheiten aufzubauen. Trotzdem bleiben konkrete Pläne aus. Es gibt keine verpflichtenden Zivilschutzorganisationen; freiwillige Feuerwehren, Samariter und Gemeindeschutztruppen kümmern sich um Brände und Naturkatastrophen.
Eine Umfrage von 2022 zeigte, dass fast 90 % der Liechtensteiner die Sicherheit als gut einschätzten. Doch nach dem Ukraine-Krieg steht die Frage der Kriegsbedrohung im Zentrum politischer Diskussionen. Die aktuelle Infrastruktur bietet nur Platz für rund ein Drittel der Bevölkerung von knapp 41 000 Einwohnern.
Im Regierungsbericht 2024 fehlen sowohl Zuweisungspläne als auch eine instruierte Organisation zur Schutzraumnutzung. Nur wenige Anlagen sind sofort einsatzbereit, die meisten wären erst nach zwei Wochen betriebsfähig.
Ein Vergleich mit der Schweiz zeigt Mängel im Bevölkerungsschutz Liechtensteins auf, ohne dass bisher entsprechende Schritte zur Verbesserung unternommen wurden. Die Politik setzt nun darauf, die Zusammenarbeit von Rettungsorganisationen zu verbessern und mehr Personal anzuwerben.
Liechtenstein verfügte nie über eine eigene Armee, seit 1868, nach dem Ende des Deutschen Bundes, in dem es Militärkontingente stellen musste. Die Sicherung der Grenzen wurde nach einem Zollvertrag von 1923 der Schweiz überlassen. Im Zweiten Weltkrieg vertraute Liechtenstein auf die Verteidigung durch die Schweiz, doch ein Einsatz in Liechtenstein wurde abgelehnt, es sei denn, das Land wäre ebenfalls bedroht.
In einer kritischen Situation während des Kriegsendes unterstützte die Schweiz bei der Entwaffnung eines russischen Truppenkontingents an der Grenze. Sollte eine Bedrohung wieder auftreten, vertraut Liechtenstein auf Kooperationen mit den Nachbarn. Die Regierung betont die Wichtigkeit, staatliche Souveränität zu wahren und interne Führungskräfte im Bevölkerungsschutz weiterzuentwickeln.
Eine Studie der Stiftung Zukunft.li hält Abkommen mit den Nachbarstaaten für entscheidend. Seit 2006 gibt es eine Vereinbarung zur gegenseitigen Hilfe bei Katastrophen zwischen der Schweiz und Liechtenstein, wobei die Unterstützung freiwillig bleibt.
Angesichts dieser Lage plant die Regierung, den Bevölkerungsschutz auszubauen. Eine Herausforderung liegt in der mangelnden militärischen Tradition und dem Fehlen eines Zivilschutzgesetzes. Die Zukunftsstiftung schlägt vor, Milizstrukturen zu stärken und einen obligatorischen Katastrophen- und Zivilschutz einzuführen. Obwohl politische Umsetzung schwierig erscheint, könnte eine attraktive Grundausbildung im Bevölkerungsschutz für Bürger interessant sein.