Nicholas Potter wirft einer neuen Linkergeneration den Verrat an eigenen Werten vor, seit er ihre Nähe zu Islamisten thematisiert. Seine Kritik zieht Verleumdungen und Morddrohungen nach sich. Im Jahr 2011 zog der in London aufgewachsene Potter nach Berlin, eine Stadt voller Möglichkeiten für Künstler und Studenten wie ihn selbst. Über ein Jahrzehnt später ist er Redaktor bei der linken Zeitung “TAZ” und begegnet dort einer anderen Berliner Realität. Aufkleber mit seiner Gesichtszüge und die Bezeichnung «The German Hurensohn» wurden an U-Bahnhöfen verteilt, begleitet von Anschuldigungen der Genozid-Propaganda und Unterstellungen israelischer Zahlungen. Ein Plakat nahe der Humboldt-Universität stilisierte ihn in einer Fahndungsmeldung als Gefahr für «Palästina», mit Drohungen physischer Gewalt. Potters Arbeit fokussiert sich auf Antisemitismus und Extremismus, unabhängig von deren politischer Ausrichtung. Vor dem Hamas-Angriff auf Israel veröffentlichte er das Buch “Judenhass Underground” über Judenfeindlichkeit im linken Milieu, weiter vertieft in seinem neuesten Werk “Die neue autoritäre Linke”, das die Radikalisierung junger Linker thematisiert. Potter definiert eine ideale Linke als Befürworterin von Emanzipation und liberaldemokratischen Werten und kritisiert, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion radikale Ansichten wieder Normalität geworden sind. Der 35-jährige Potter, einst im linksalternativen Milieu sozialisiert und gegen Rechtsextreme aktiv, sieht sich nun mit Hass konfrontiert. Seine Kritik an linken Tendenzen zur Radikalisierung macht ihn zum Ziel derer, die sich verraten fühlen. Er beschreibt eine junge Generation, die durch den Gaza-Krieg zu politischem Engagement gefunden hat und radikalere Positionen einnimmt. Sein Aufenthalt in Israel als Stipendiat verstärkte nur den Widerstand gegen ihn, was in sozialen Medien mit Beleidigungen endete. Andere prominente Linke wie Eva Illouz und Jens Balzer stehen ebenfalls im Fokus der Kritik für ihre Abgrenzung von radikalen Strömungen. Potter beschreibt die neue autoritäre Linke als grundsätzlich intolerant gegenüber abweichenden Meinungen, mit einem absoluten Bekenntniszwang. Er bezieht sich dabei auch auf die 68er Bewegung und deren antiautoritäres Selbstverständnis, das heute in gewaltbereiten Aktionen endet. Seine Recherchen zeigen die Verbindung zwischen russischen Propaganda-Medien und linken Gruppen, die Demokratie destabilisieren wollen. Sein Wechsel zur “TAZ” löste trotz unterschiedlicher Meinungen innerhalb der Redaktion keine internen Konflikte aus. Potter betont den Bedarf einer starken Linken zur Verteidigung der Demokratie und warnt vor deren Selbstgefälligkeit als einzige wahre Hüterin progressiver Werte. Trotz Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas finden in Berlin weiterhin Intifada-Demos statt, die den antiimperialistischen Kampf glorifizieren. Potter sieht eine dringende Notwendigkeit für die Linke, sich mit ihren radikalisierten Elementen auseinanderzusetzen, um nicht selbst zur Bedrohung der Demokratie zu werden.