Der wachsende Tourismus in Luzern sorgt für finanzielle Vorteile, aber auch für Unmut. Eine neu gegründete Interessensgemeinschaft setzt sich nun dafür ein, den Hotelbau zu regulieren und die Belastung der Einwohner einzudämmen.
Inmitten von Touristengruppen, Selfie-Sticks und Kameras wird es in Luzern zunehmend eng, findet zumindest eine neu formierte Interessensgemeinschaft. Die Initiative «IG Nachhaltiger Tourismus» hat ein Vorhaben ins Leben gerufen: Sie will den touristischen Ansturm eindämmen. Die Luzerner Altstadt sei kein Geheimtipp mehr, so die Begründung.
Die IG besteht aus Mitgliedern der SP sowie den Jungparteien Juso und Junge Grüne. Sie sind besorgt über die städtische Entwicklung: «Wenn Uhren- und Souvenirläden in der Altstadt dominieren, muss der Tourismus wieder ins Gleichgewicht gebracht werden», zitiert die Medienmitteilung.
Kernforderung ist eine Begrenzung der Hotelbetten. Neubauten sollen nur genehmigt werden, wenn gleichzeitig bestehende Kapazitäten abgebaut werden. So will das Komitee verhindern, dass der Tourismus weiter wächst und zusätzlichen Druck auf Wohnraum und Infrastruktur ausübt.
Neue Hotels dürfen unter strengen Bedingungen gebaut werden: Sie müssen ein gleichwertiges bestehendes Hotel ersetzen und dürfen keine zusätzlichen Betten hinzufügen. Umbauten sind erlaubt, solange die Gesamtzahl der Betten nicht zunimmt.
Die Initiative verlangt zudem höhere Standards bei Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und städtebaulicher Einbindung für neue Projekte. Diese sollen dem Quartier und der Bevölkerung einen Mehrwert bieten, konkretisiert jedoch nicht weiter.
Juso-Präsident Valentin Humbel betont die Notwendigkeit des Dialogs mit den Bürgern: «Es soll ein Austausch stattfinden, um deren Wünsche aufzunehmen.» Mögliche Beispiele sind öffentliche Begegnungsräume oder kulturelle Angebote, inspiriert von Modellen in Amsterdam.
Zusätzliche Forderungen der IG betreffen eine Obergrenze für Reisecars und Anpassungen bei Luzern Tourismus. Diese Themen werden jedoch nicht im Initiativtext behandelt.
Die Initiative sieht Humbel als ersten Schritt ihrer Vision. Sie seien offen für weitere Ideen, insbesondere parlamentarische Vorstösse.
Der «Over-Tourismus» ist kein neues Thema in Luzern. Die Stadt verzeichnet regelmäßig neue Rekorde bei den Logiernächten und wird international immer populärer. Diskussionen gab es etwa um den Car-Tourismus, weshalb die Stadt eine Haltegebühr einführte: Dies führte zu weniger Bussen am Schwanenplatz.
Quellen: Austausch mit Valentin Humbel, Präsident Juso Luzern; Initiative der IG Nachhaltiger Tourismus; Medienmitteilung der IG Nachhaltiger Tourismus.