Konstantin Kreibich berichtet, dass die Stadt Luzern den Aufbau einer neuen Fachstelle für Menschen mit Behinderung plant. Diese soll durch einen Kredit von 3,2 Millionen Franken finanziert werden und ist bereits vom Stadtparlament beauftragt worden (wir berichteten). Die Initiative wurde in der Branche positiv aufgenommen, wie eine Umfrage von zentralplus zeigt, allerdings gibt es auch Bedenken.
Die Fachstelle soll im Herbst beginnen und sich um Aufklärung, Anliegen aus der Bevölkerung sowie die Umsetzung von Projekten kümmern. Dabei arbeitet Luzern mit Organisationen wie Procap, Pro Infirmis, SSBL und Brändi zusammen.
Die Stiftung Brändi lobt die Übereinstimmung der städtischen Ziele mit ihren eigenen: gleiche Rechte und Chancen, Zugänglichkeit sowie Eigenverantwortung. Die Stadt Luzern will damit auch die Anforderungen der UNO-Behindertenrechtskonvention erfüllen.
SSBL bezeichnet die Fachstelle als ein wichtiges Signal für Gleichstellung, während Procap Zentralschweiz die Investitionen nach langem Zögern begrüßt. Auch Pro Infirmis hebt hervor, dass Luzern das Thema ernst nimmt und durch Synergien mit der Gleichstellungsstelle Vorteile erwartet.
Ein prägnantes Beispiel für den Bedarf an Veränderung ist die lange Wartezeit auf einen barrierefreien Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Helmut Bühler von der Stiftung Rodtegg kritisiert, dass trotz jahrzehntelanger Zusage erst jetzt die Bushaltestelle vor Ort rollstuhlgängig gemacht wird.
Die Umsetzung des nationalen Behindertengleichstellungsgesetzes verläuft langsamer als geplant. Im letzten Jahr wurden nur 27 von 35 geplanten Haltestellen umgebaut, begründet die Stadt mit größeren Straßenbauprojekten. Nach dem Gesetz hätten alle Schweizer Haltestellen bis Ende 2023 barrierefrei sein müssen.
Die SSBL betont, dass die Fachstelle nahe an der Lebensrealität der Menschen mit Behinderungen arbeiten müsse, um konkrete Verbesserungen zu erreichen. Procap Zentralschweiz weist darauf hin, dass Behinderung ein Querschnittsthema sei und in allen städtischen Bereichen berücksichtigt werden muss.
Auch Daniel Barmettler von Pro Infirmis warnt vor dem Risiko, dass das Thema aufgrund seiner Komplexität untergehen könnte. Alle Organisationen betonen die Wichtigkeit der Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen bei Planungsprozessen, wie es die UNO-Behindertenrechtskonvention vorschreibt.
Der neu gegründete Verein Beko Luzern ist eine Weiterentwicklung der Behindertenkonferenz Luzern. Im Zentrum steht die Mitwirkung von Menschen mit Behinderungen in wichtigen Positionen, wie zum Beispiel der Präsidentin Bea Stadler. Der Verein plant die Zusammenarbeit mit der neuen Fachstelle.
PODIUMSDISKUSSION: Wohnungsnot in Luzern
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