Francesco Maisano, ehemaliger Direktor der Herzchirurgieklinik am Zürcher Unispital, hat die Vorwürfe aus einem aktuellen Untersuchungsbericht zurückgewiesen. Dieser Bericht kritisiert seine Amtszeit von 2014 bis 2020 und behauptet eine Übersterblichkeit von etwa 70 Patienten mehr als statistisch erwartbar. Maisano argumentiert, dass die Klinik besonders komplexe Fälle aufnahm, weshalb die Sterblichkeitsrate höher ausfiel. Das Spital hat angekündigt, insgesamt 24 Fälle an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten und bereits in drei Fällen Strafanzeigen wegen möglicher fahrlässiger Tötung sowie Urkundenfälschung eingereicht.
Maisano widerspricht der Kritik, indem er darauf hinweist, dass die Klinik unter seiner Leitung für schwerstkranke Patienten mit hohem Risiko offen war, während andere Zentren sie abgelehnt hätten. Er bemängelt zudem, dass die Kommission zur Untersuchung ausschließlich aus Herzchirurgen bestand und nicht interventionelle Kardiologen einschloss. Dieses methodische Problem könne die Ergebnisse verzerren.
Die Kommission setzte auf drei statistische Verfahren, um Übersterblichkeit zu bewerten, wobei sie stets ähnliche Resultate erzielte. Sie verglich Zürich mit anderen Unispitälern und fand eine durchschnittliche Sterblichkeitsrate von 5,5 Prozent gegenüber 2,7 Prozent bei den Vergleichskliniken. Auch die Analyse der Zeiträume vor und nach Maisanos Amtszeit zeigte einen Anstieg der Sterblichkeit während seiner Führung.
Die dritte Methode berücksichtigte individuelle Risikofaktoren der Patienten, um eine risikoadjustierte Berechnung durchzuführen. Die Kommission nutzte dabei zwei Modelle (Euroscore II und STS-Prom) und berechnete eine Übersterblichkeit von 68 Fällen.
Die Methodik wurde von Experten wie Daniel Loisance und Maurice Sarano, einem Spezialisten für Herzklappenerkrankungen, als überzeugend eingestuft. Obwohl Maisanos Kritik an der Zusammensetzung der Untersuchungskommission teilweise zutrifft, scheint die Argumentation hinsichtlich der Komplexität seiner Fälle nicht zu halten.