Simone Ryan ist beim Stricken in den sozialen Medien eine bekannte Persönlichkeit: Mit ihren Followerzahlen von 50.000 verfolgen diese jeden ihrer Handgriffe, während sie Kleidungsstücke und Schals aus Wolle fertigt. Ihre Arbeit bei @Rust_Knitwear macht sie zur prominentesten Strickerin der Schweiz. Beim Stricken beruhigt sich Ryan komplett und schafft es, ohne Anleitung anspruchsvolle Muster zu kreieren. Sie beschreibt das Handwerk als eine Quelle innerer Ruhe.
Analoge Hobbys erleben derzeit einen großen Aufschwung: Vinylplatten sind gefragter denn je, Leseveranstaltungen in Cafés und auf Parkbänken ziehen Menschen an. Vor allem jedoch erfreuen sich Handarbeiten wie Häkeln, Töpfern und Stricken großer Beliebtheit. Es gibt spezielle Veranstaltungen für diese Hobbys, passende Fanartikel und eine eigene Subkultur in sozialen Netzwerken.
Simone Ryan hat bereits als Kind gestrickt und setzte das Hobby auch während ihres Psychologiestudiums fort, um sich besser konzentrieren zu können. Nach dem Studium half es ihr, den Alltagsstress zu bewältigen, bis sie schließlich ihren Instagram-Account gründete und später bei einem Wollhändler arbeitete.
Mit der Corona-Pandemie erlebte das Stricken einen weiteren Popularitätsschub: Google-Suchanfragen stiegen rasant, und viele berühmte Persönlichkeiten wie Michelle Obama oder Meryl Streep teilten ihre eigenen Strickprojekte. Auch Tom Daley spricht über den positiven Effekt des Strickens auf seine mentale Gesundheit.
Die psychische Belastung der Generation Z ist ein wachsendes Thema, mit steigenden Therapiebesuchen und einer hohen Nachfrage nach Unterstützung in Jugendpsychiatrien. Stricken wird als eine Methode gesehen, Stress abzubauen und die Selbstwirksamkeit zu stärken. Psychiatrische Kliniken wie das Sanatorium Kilchberg nutzen Stricktherapien für Patienten.
Im Zürcher Kino Le Paris findet monatlich ein “Strickkino” statt, bei dem Filmabende mit strickenden Gästen kombiniert werden. Nicole Bretscher betreibt in Zürich einen Wollladen und bietet Strickkurse an, die als Ablenkung vom Smartphone dienen sollen. Ihre Teilnehmer berichten von einer erholsamen Pause durch das Handwerk.
Trotz der Kosten für Materialien stricken viele aus dem Wunsch nach Individualität und Einzigartigkeit heraus – ein Kontrast zur Massenproduktion, die sie umgibt. Stricken wird zu einem bewussten Akt des Protests gegen Apathie, wie auch seine politische Geschichte zeigt.
Simone Ryan betont, dass das Aufmerksamkeit auf das Handwerk lenken will und es als eine Fertigkeit wertschätzt, die oft unterschätzt wird. Stricken bietet mehr als nur Entspannung; es ist ein Zeichen der Eigenständigkeit in einer schnelllebigen Welt.