Während Klubs aus Basel, Bern und Zürich mit Trainerwechseln und Sinnkrisen zu kämpfen haben, feiert der FC Thun seinen Triumph als Anerkennung für den Teamgeist. Im Gespräch erläutert Coach Mauro Lustrinelli die Bedeutung von Charakter und Zusammenhalt über das Spielfeld hinaus.
Im Jahr 2022 startete das Projekt, das zum Meistertitel führte. Die Entwicklung der Mannschaft basierte auf vielen kleinen Schritten und Anpassungen, bei denen der Sportchef eine zentrale Rolle spielte. Lustrinelli betont die Bedeutung von kontinuierlicher Teamarbeit: “Am Ende ist es entscheidend, dass alle drei Beteiligten – ich, der Sportchef Dominik Albrecht und Präsident Andres Gerber – einem Transfer zustimmen.”
Ein Beispiel für eine erfolgreiche Integration war Kastriot Imeri, dessen Wechsel von YB nach Thun durch Lustrinellis Einfluss erleichtert wurde. Er kennt den Spieler aus der U-21-Auswahl und unterstützte ihn bei seiner Integration. Der Trainer sieht seine Rolle darin, die passenden Charaktere zu identifizieren: “Ich arbeite stundenlang mit den Spielern, um sicherzustellen, dass sie sowohl spielerisch als auch charakterlich ins Teamgefüge passen.”
Lustrinelli betont die Bedeutung von Beziehungen und gegenseitigem Vertrauen in seiner Arbeit: “Es geht darum, respektvoll zusammenzuarbeiten.” Trotz der Herausforderungen im Schweizer Fussball, wo manche Trainer kaum Mitspracherecht bei Transfers haben, vertritt er das Modell des FC Thun.
Ein weiterer Erfolgsfaktor war die Integration von Mattias Käit, den Lustrinelli aufgrund seiner ruhigen und präzisen Spielweise als passend für das Team erkannte. Trotz der wahrscheinlichen Wechsel im Team nach einem solchen Erfolg sieht er dies als natürliche Entwicklung.
Lustrinelli reflektiert die Gefühle, die mit dem Meistertitel verbunden sind: “Die Leute in Thun zeigen viel Dankbarkeit, und es dauert vielleicht noch etwas, bis wir realisieren, was wir erreicht haben.”
Statt eines einzelnen Schlüsseltransfers sieht er mehrere entscheidende Momente als Weg zum Titel, wie das 4:2 gegen den FC Zürich oder Bertones Freistosstor in Genf.
Über seine eigene Karriere sagt Lustrinelli: “Meine Erfahrungen als Spieler haben mich lehren können, die Situationen anderer nachzuvollziehen.” Er schätzt das Engagement und die Herzlichkeit von Trainern wie Köbi Kuhn, der ihm einmal sagte, dass Entscheidungen oft Bauchentscheide seien.
Lustrinelli beschreibt sich selbst als emotionalen Trainer: “Ich zeige Emotionen, ähnlich wie Diego Simeone, aber auch Ruhe wie Carlo Ancelotti.”
Auch wenn er manchmal impulsiv reagiert, sei dies Teil seiner Rolle und seines Lernprozesses. Er reflektiert die Stabilität im Team, betont jedoch die Notwendigkeit von Reizpunkten für eine anhaltende Dynamik.
Lustrinelli ist überzeugt: “Wir haben ein Wunder geschafft, aber eines mit Hand und Fuss.” Die klare Ausrichtung auf das Wesentliche und ehrliches Verhalten seien entscheidend gewesen, um die Mannschaft von personellen Turbulenzen fernzuhalten.