Der Fall um den Schauspieler Christian Ulmen wirft erneut ein kritisches Licht auf die Berichterstattung der Medien in Fällen von vermutetem sexuellen Missbrauch durch Prominente. Der „Spiegel“ berichtete prominent auf seiner Titelseite unter dem dramatischen Schlagzeile, dass Ulmen seine Ehefrau Collien Fernandes über zehn Jahre hinweg virtuell missbraucht haben soll. Unter ihrem Namen erstellte er Fake-Profile und kommunizierte in sozialen Netzwerken ohne ihr Wissen. Fernandes hatte bereits früher über ihre Erfahrungen gesprochen, etwa im Rahmen einer Aktion gegen Fakes im Internet 2023 und eines Dokumentarfilms 2024. Nun verriet sie erstmals öffentlich, dass Ulmen hinter den Angriffen stecke, was zu einer Trennung führte. Die Berichterstattung des „Spiegels“ löste eine Welle der Empörung aus: Große deutsche Nachrichtenseiten und die ARD-Nachrichtensendungen berichteten umfassend. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig präsentierte einen Entwurf für Gesetze zum besseren Schutz vor digitaler Gewalt. Die Folgen waren schnell spürbar: Pro 7 entfernte Ulmens Auftritte aus seiner Serie „Jerks“, Weggefährten distanzierten sich öffentlich, und Proteste gegen digitale Gewalt wurden organisiert. Politikerinnen forderten konsequentes Handeln. Die Karriere Ulmens scheint nachhaltig geschädigt. Der Vorwurf des virtuellen Missbrauchs stützt sich fast ausschließlich auf Fernandes’ Aussagen; Ulmen hat bisher keine Stellungnahme abgegeben. Eine E-Mail, in der er um anwaltliche Hilfe bei einem mutmaßlichen Geständnis bittet, dient als zusätzliches Beweismittel. Die Unschuldsvermutung bleibt dabei ein Lippenbekenntnis. Der Fall erinnert daran, wie schnell Medien Prominente an den Pranger stellen können, obwohl zahlreiche ähnliche Fälle in der Vergangenheit falsche Vorwürfe aufdeckten. Die #MeToo-Bewegung verstärkte die mediale Tendenz zur Vorverurteilung, was zuweilen journalistische Standards untergräbt. Der Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen Medien an und sprach von „unzulässiger Verdachtsberichterstattung“. Seine Kanzlei vertritt hochkarätige Mandanten wie Till Lindemann. Der Fall Ulmen wirft nun nicht nur Fragen zu digitalen Missbrauchstaten auf, sondern auch zur Glaubwürdigkeit der Medien selbst.