China und die USA bedrohen den freien Welthandel, weshalb Mittelmächte wie Australien und die EU enger zusammenrücken. Trotz reichhaltiger Rohstoffvorkommen bleibt Europa in diesem Bereich verwundbarer denn je. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen präsentiert Erfolge meisterlich, so auch das jüngst mit Australien geschlossene Handelsabkommen. Sie betonte in Canberra, dass Freundschaft und Kooperation gerade in turbulenten Zeiten unverzichtbar seien. Dieses Abkommen löst jedoch nicht Europas größtes Problem, obwohl von der Leyen diesen Eindruck vermittelt hat. Positiv ist es dennoch, dass sich die EU mittelgroßen Mächten wie Australien annähert, was Sicherheit und Wohlstand steigert. Das Handelsabkommen fand zwei maßgebliche Geburtshelfer: Chinas Führer Xi Jinping und der damalige US-Präsident Donald Trump. Beide sorgen für Spannungen in Canberra und Brüssel. Die EU und Australien sind unsicher über ihre alten Verbündeten. Während man Trumps Persönlichkeit mit ein wenig Psychologie beeinflussen könnte, erscheint China fast unberechenbarer. Als die australische Regierung 2020 eine unabhängige Untersuchung zum Covid-19-Ausbruch forderte, reagierte Xi mit hohen Zöllen auf australische Weine. Obwohl diese Abgaben mittlerweile weggefallen sind, haben sich die Winzer nicht vollständig erholt. Trump drohte ebenfalls ständig mit Zöllen, ein Mittel, das China genauso effektiv anwendet. Auch Europa erlebt ähnliche Herausforderungen. Widerstand gegen Chinas Subventionen für heimische Firmen führt zu Einfuhrabgaben auf europäische Produkte durch Peking. In einer solch gespannten Welt stärkt der neue Vertrag sowohl Australien als auch Europa. Allerdings reicht das Abkommen nicht weit genug. Sowohl in der EU als auch in Australien setzen innenpolitische Faktoren dem gegenseitigen Handel Grenzen. In Australien bleibt eine Luxussteuer auf teure Benzinautos bestehen, obwohl die EU dies vermeiden wollte. Die linke Regierung unter Labour konnte nicht über ihren Schatten springen. Zudem können australische Landwirte weniger Rindfleisch in die EU exportieren als erhofft, da Australien auf den Widerstand europäischer Viehzüchter stieß. Besonders irreführend ist es, wenn die EU-Kommission behauptet, das Abkommen sichere Europa Rohstoffzugänge. Obwohl aus Down Under Lithium, Kobalt oder seltene Erden nach Europa gelangen und keine Exportbeschränkungen versprochen wurden, bleibt das Problem bestehen: Die Weiterverarbeitung erfolgt hauptsächlich in China. Unabhängig von Handelsabkommen bleiben die EU und Australien stark auf Chinas Weiterverarbeitungskapazitäten angewiesen. Langfristige Lösungen wären erst denkbar, wenn mehr Fabriken in Australien und Europa entstehen würden, um Rohstoffe wie Lithium zu verarbeiten – eine Perspektive, die für Europa wenig realistisch erscheint. Ein falscher Eindruck könnte entstehen: Dieses Abkommen habe Europas Rohstoffprobleme entscheidend vorangebracht. Tatsächlich erfordert dies einen grundlegenden Mentalitätswandel in der europäischen Haltung gegenüber dem Bergbausektor.