Einst als Underdog in der Architekturwelt angesehen, ist Barbara Buser heute eine anerkannte Pionierin des nachhaltigen Bauens. Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet das beeindruckende Schaffen der Basler Architektin. Barbara Buser wird oft auf Baustellen gesichtet, mit hochgekrempelten Ärmeln, einem Pinsel oder einer Bohrmaschine in der Hand, beim Kitten von Fenstern oder dem Aufschrauben von Fassaden. Sie scheint sich genauso wohl auf der Baustelle wie am Entwurfstisch zu fühlen. In dem Dokumentarfilm „Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit“ der Regisseurin Gabriele Schärer, äußert sie: „Das Ziel ist nicht das Bauen. Das Ziel ist es, grundsätzlich nicht zu bauen.“ Dieses Statement verdeutlicht ihren radikalen Ansatz: Sie will keine Gebäude mehr abreißen. Früher galt ihr Ansatz als randständig, heute erntet sie Anerkennung und Auszeichnungen. Unter anderem bekam sie 2021 den Global Gold Award auf der Biennale in Venedig, gestiftet von Holcim, einem Zementproduzenten. Buser zeigt sich ironiefähig: Führungen durch ihre Werke gibt die Schweizer Architektenkammer BSA, die ihr einst die Mitgliedschaft verwehrte. Bereits früh fühlte sich Barbara Buser in der Architektur als Außenseiterin. 1973 war sie eine von wenigen Frauen an der ETH Zürich für das Architekturstudium zugelassen. In einem „Tages-Anzeiger“-Interview erinnert sie sich, dass ihr damaliger Professor Jacques Herzog ihre Ansichten nicht teilte. Nach dem Studium zog es Buser als Entwicklungshelferin nach Tansania und den Südsudan. Bei ihrer Rückkehr in die Schweiz warf sie einen kritischen Blick auf das dortige Baugeschehen: „Die Schweizer bauen in hervorragender Qualität, reißen aber Häuser nach zwanzig bis dreißig Jahren wieder ab.“ Mit Klara Kläusler gründete Buser 1995 den Verein Bauteilbörse Basel und mit Eric Honegger das Architekturbüro „In situ“, spezialisiert auf Wiederverwendung statt Neubau. Sie betrachtet die Stadt als Lager für Bauteile, Abrissobjekte als Rohstoffquellen. „Im Grunde geht es um Abfallvermeidung und Ressourcenschonung“, sagt Buser. Ihre Methoden beruhen auf der Wiederverwendung – ein komplizierter Prozess, den sie dem lautstarken und energieintensiven Recycling vorzieht. Ihre Projekte bestehen aus wiederverwendeten Bauteilen, die in der Schweizer Baukultur als eigenwillig gelten. Busers Arbeit umfasst jedoch mehr als sichtbare Architektur; Finanzierungsmodelle und Nutzungskonzepte spielen eine entscheidende Rolle. Das Büro In situ hat sich auf Zwischennutzungen, Stadtentwicklung und Kreislaufwirtschaft spezialisiert. Beim Umbau der Maschinenfabrik Sulzer-Burckhardt in Basel zeigte Buser, wie diese Ansätze realisiert werden können. Andreas Ruby vom Schweizerischen Architekturmuseum (SAM) erkennt in ihr eine historische Figur des Bewusstseinswandels hin zur Nachhaltigkeit. Ihr einziges Projekt mit neuen Materialien, das K. 118 in Winterthur, nutzte zu 70 Prozent wiederverwendete Bauteile, was die Emissionen und den Primärmaterialverbrauch deutlich senkte. Nach der Auszeichnung auf der Biennale erkannte Buser: „Wenn das Hüüsli weltweit am meisten in Sachen Nachhaltigkeit zu bieten hat, sind wir noch nirgendwo.“ Der Dokumentarfilm „Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit“ läuft im Kino.