Die Beziehung zwischen den USA und dem Vatikan hat sich unter Donald Trump merklich abgekühlt, obwohl sie schon immer kompliziert war. Er löschte einen Post, in dem er sich als Heiland mit einem Kranken darstellte, doch das Bild diente eher dazu, seine Kritik an Papst Leo XIV. zu verstärken. Trump bezeichnete dessen Aufruf zum Frieden im Iran als «aussenpolitisch verheerend» und behauptete ironisch, der Papst sei nur gewählt worden, weil er sich erhofft hätte, eine Verbindung zu ihm herzustellen: «Wäre ich nicht im Weissen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan.» Im Gegensatz zu Trumps direkter Kritik pflegten seine Vorgänger einen respektvolleren Umgang mit dem Papstamt. Barack Obama äusserte mehrfach Bewunderung für Franziskus und würdigte dessen Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit, während Joe Biden, ein gläubiger Katholik, ihm die Freiheitsmedaille verlieh. Auch George W. Bush zeigte Respekt gegenüber Johannes Paul II., obwohl er dessen Kritik am Irakkrieg ignorierte. Die Appelle des aktuellen Papstes gegen den Iran-Krieg ähneln denen von Johannes Paul II. zum Irak, doch Trumps Reaktion unterscheidet sich grundlegend. Im Gegensatz zu Bush, der die Mahnungen höflich entgegennahm, ohne sie ernstzunehmen, reagierte Trump gereizt und weigerte sich, den Papst als unabhängige Autorität anzuerkennen. Trump scheint eine besondere Erwartungshaltung gegenüber dem Papst zu haben, da er keine Entschuldigung für seine Aussagen abgab. Leo XIV. verteidigte seine Rolle als Oberhaupt der Weltkatholiken und Bürger eines Landes mit einer bedeutenden katholischen Minderheit. Historisch gesehen gab es lange Zeit kaum offizielle Beziehungen zwischen den USA und dem Vatikan, unterbrochen durch antikatholische Stimmungen im 19. Jahrhundert. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die diplomatischen Bande wieder geknüpft, wobei Ronald Reagan eine Schlüsselrolle spielte. Im Vergleich zu früheren Konflikten zwischen weltlichen Herrschern und dem Papsttum wirkt Trumps Ansatz unverhältnismässig. Trotz der Spannungen hat das Papsttum über Jahrtausende hinweg Bestand gehabt, was die Langlebigkeit und Bedeutung der Kirche unterstreicht.