Die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs «Hondius», das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffen ist, wird am frühen Sonntagmorgen auf der Insel Teneriffa erwartet. Von dort aus sollen die an Bord befindlichen Menschen in ihre Heimatländer ausgeflogen werden, was das Ende einer 40-tägigen Odyssee markiert, die im südamerikanischen Ushuaia begann und dramatische Wendungen erlebte.
Laut Tedros Adhanom Ghebreyesus, dem Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), werden die Passagiere in versiegelten Fahrzeugen über einen abgeschirmten Korridor zum Industriehafen von Granadilla gebracht und anschließend direkt zurückgeflogen. Tedros betonte gegenüber den Einwohnern Teneriffas, dass weder die Insulaner noch deren Familien Kontakt zu den Passagieren haben werden.
In der vergangenen Woche wurden aufgrund der Ankündigung des Schiffs erhebliche Bedenken in der lokalen Bevölkerung laut. Viele Assoziationen zur Corona-Pandemie führten zu Besorgnis, wie der Regierungschef der Kanaren, Fernando Clavijo, ausdrückte. Er äußerte seine Entspannung erst nach dem Abtransport aller Passagiere und dem Weiterfahrt des Schiffes in die Niederlande. Tedros dagegen erklärte, dass das Hantavirus nicht mit Covid vergleichbar sei.
Die Ankunft der «Hondius» ist für Sonntagmorgen zwischen 4:00 und 6:00 Uhr Ortszeit geplant, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García verkündete. Sie fügte hinzu, dass etwa zweieinhalb Stunden nach der Ankunft mit dem kontrollierten Abtransport der Gäste begonnen werde, wobei alle Passagiere vorher auf Krankheitssymptome untersucht werden.
Nach Abschluss des Ausstiegs soll die «Hondius» unter einer verbleibenden Crew weiter in die Niederlande reisen. Die Leiche einer während der Kreuzfahrt verstorbenen Person wird nicht an Land gebracht; stattdessen ist eine Desinfektion des Schiffes in den Niederlanden vorgesehen, wie García betonte.
Die WHO meldete sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei der acht betroffenen Personen starben: ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Frau. Es wird vermutet, dass die Infektion auf das Ehepaar aus den Niederlanden zurückgeht, welches sich in Argentinien angesteckt haben könnte. Alle anderen Passagiere sind laut der Reederei Oceanwide symptomfrei.
Hantaviren werden typischerweise durch Nagetiere übertragen, wobei es beim Andes-Typ auch zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommen kann, wie in früheren Fällen beobachtet wurde.