Die beiden kleinen Brillenbären Auki und Amaru haben in den vergangenen Tagen im Sangay-Bergnebelwald des Zoos Zürich zahlreiche Besucher mit ihrem neugierigen Verhalten erfreut. Die Bären erkennen sich an ihrem dunklen Fell sowie den charakteristischen hellen Ringen um die Augen, welche wie Brillengestelle wirken.
Die beiden Jungtiere wurden Ende Januar geboren und verbrachten ihre ersten Lebensmonate in der Sicherheit einer Wurfbox hinter dem Gehege zusammen mit ihrer Mutter Rica. Bei Geburt waren sie blind, fast haarlos und vollständig auf die Fürsorge der Mutter angewiesen. Neugeborene Brillenbären wiegen nur etwa 320 bis 370 Gramm; ausgewachsen erreichen sie eine Körpermasse von rund 175 Kilogramm. Laut Zoodirektor Severin Dressen entwickelten sich Auki und Amaru sehr positiv.
Aktuell erkunden die Bärenkinder ihr Gehege, klettern über Äste und folgen Rica auf ihren Erkundungstouren. In den nächsten zwei Jahren wird Ricas Aufgabe sein, ihnen das Navigieren in der Baumkrone und das Auffinden von Nahrung beizubringen. Die Tiere ernähren sich vorwiegend pflanzlich und verzehren gelegentlich Fleisch.
Der Vater stammt aus den USA und kam zwei Jahre zuvor nach Zürich, um wertvolle genetische Merkmale für das Europäische Erhaltungsstammzuchtprogramm einzubringen. Diese sind entscheidend für die Stärkung der Reservepopulation.
Brillenbären, die einzigen Großbären Südamerikas, stehen aufgrund ihres schrumpfenden Lebensraums und der Jagd durch Menschen unter Schutzbedarf. Sie bewohnen natürlicherweise Berg- und Nebelwälder sowie Gras- und Buschlandschaften in den Anden. Doch ihre Habitate werden zunehmend von Landwirtschaft, Infrastrukturprojekten und Wilderei bedroht.
Wilderei wird teilweise durch die Nachfrage nach Fleisch, Fell und insbesondere Gallenblasen angeheizt, welche in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden sollen. Die WWF weist darauf hin, dass diese für Kopfschmerz-, Magen- und Darmleiden sowie als Potenzmittel oder Antiseptika genutzt werden.
Brillenbären gebären nur alle ein bis zwei Jahre maximal zwei Junge, wodurch die geschätzte Population unter 25.000 Individuen liegt. Trotz dieser Herausforderungen bietet der Zürcher Zoo Auki und Amaru eine sichere Umgebung zum Aufwachsen.
Quelle: SRF Regionaljournal Zürich/Schaffhausen, 20.5.2026, 12:03 Uhr