Nach einem Jahrzehnt mit einem als angespannt empfundenen Arbeitsumfeld hat das Berner Inselspital eine neue Leitung unter Prof. Dr. med. Jennifer Diedler, ehemalige Direktorin des Universitätsklinikums Saarland, begrüßt. In ihrem ersten Interview spricht sie über die Bedeutung einer offenen Fehlerkultur und verweist auf den kürzlich geschehenen Skandal im Zürcher Unispital mit schwerwiegenden Fehlern in der Herzchirurgie.
Jennifer Diedler beschreibt das Geschehene als zutiefst besorgniserregend. Sie betont, dass es wichtig sei, sich stets selbstkritisch zu hinterfragen: „Wo müssen wir besser hinschauen?“ Die traditionell hierarchische Natur der Medizin müsse weiterhin abgebaut werden, um das Vertrauen von Patienten in Notsituationen zu gewährleisten.
Die Entwicklung einer Fehlerkultur im Gesundheitswesen ist für sie von größter Wichtigkeit. Sie zieht Parallelen zur Luftfahrtindustrie und betont die Notwendigkeit, Fehler offen anzusprechen und daraus zu lernen, ohne Personen zu diskreditieren. Qualität und Leistung müssten stets über das Renommee eines Arztes gestellt werden.
Trotz der schwierigen Zeiten des Inselspitals mit Vorwürfen von Mobbing und Angstkultur war es für Diedler gerade die Herausforderung, dieses renommierte Spital zu führen. Sie hebt das Potenzial hervor und betont den guten Ruf sowie die motivierte Belegschaft.
Eine gute Unternehmenskultur definiert sie über geteilte Werte wie Respekt, Exzellenz und Verantwortung, die von der Führung vorangetrieben werden müssen. Ein offener Diskurs ohne Hierarchie sei essentiell. Obwohl das Inselspital in den letzten Jahren finanzielle Verbesserungen erzielen konnte, indem Effizienz gesteigert wurde, sieht sie es als entscheidend, im Kontext des Fachkräftemangels ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen.
Das Interview führte Simone Hulliger im Tagesgespräch am 6. Mai 2026 um 13 Uhr.