Im Mittelpunkt des Skandals stehen fragwürdige chirurgische Eingriffe, unklare Indikationen und Todesfälle im Umfeld der Klinik. Ein externer Bericht kritisiert Operationen ohne medizinisch nachvollziehbaren Grund. Auch das USZ gibt mittlerweile schwerwiegende interne Mängel zu. Der Druck auf politische, juristische und öffentliche Ebenen nimmt zu.
Dies wirft die grundlegende Frage auf: Wie konnte es so weit kommen?
Bereits 2020 lag ein Bericht vor, erstellt von der renommierten Kanzlei Walder Wyss. Damals wurde festgestellt, dass kein strafbares Verhalten vorliege, obwohl erhebliche Missstände dokumentiert wurden. Diese widersprüchliche Einschätzung wiegt heute umso schwerer.
Derzeit wird über mögliche strafrechtliche Konsequenzen gesprochen, ebenso über systemische Probleme und medizinische Fehlentscheidungen mit potenziell tödlichen Folgen. Damals hingegen gab es juristisch Entwarnung – der Chefarzt wurde zwar später entlassen, die offizielle Linie blieb zunächst zurückhaltend.
Dieser Fall hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Es geht nicht mehr nur um einzelne Eingriffe oder individuelle Verantwortlichkeiten. Vielmehr scheint ein ganzes System versagt zu haben, indem es sich selbst nicht rechtzeitig und glaubwürdig kontrollieren konnte.
Besonders beunruhigend ist, dass fast alle damals Verantwortlichen – Regierungsrat, Spitalrat, Klinikleitung – heute nicht mehr im Amt sind. Verantwortlichkeiten verschwimmen, Erinnerungslücken werden zur bequemen Strategie.
In einem Bereich wie der Herzchirurgie, wo es um Leben und Tod geht, darf es keine institutionelle Amnesie geben. Vertrauen entsteht nicht durch personelle Rochaden oder nachträgliche Schadensbegrenzung, sondern durch Transparenz und Konsequenz.
Der Fall Maisano ist somit mehr als ein Medizinskandal; er ist ein Test auf die Glaubwürdigkeit öffentlicher Institutionen. Und dieser Test fällt bisher ernüchternd aus.