Jährlich verlieren weltweit mehr als vier Millionen Menschen ihr Leben an Herzkrankheiten aufgrund unausgewogener Ernährungsgewohnheiten, wie eine Studie im renommierten Fachjournal Nature Medicine zeigt. SRF-Wissenschaftsredaktorin Gina Buhl gibt dazu Auskunft.
Gina Buhl arbeitet als Wissenschaftsredaktorin bei SRF und konzentriert sich auf Themen rund um Stoffwechselerkrankungen, Ernährung, Sport sowie Frauengesundheit.
Die Forschenden identifizieren vier Hauptursachen für Herzinfarkte und Herztod: Mangel an Nüssen, Samen, Vollkornprodukten und Früchten sowie ein übermäßiger Salzkonsum. Am stärksten betroffen sind ärmere Länder, in denen schützende Lebensmittel entweder nicht verfügbar oder zu teuer sind, ältere Menschen mit einem empfindlicheren Herz-Kreislauf-System und Männer, die generell ungesünder essen als Frauen.
Die Studie kommt zum Schluss, dass das eigentliche Problem oft nicht der Überschuss an bestimmten Nahrungsmitteln ist, sondern vielmehr deren Mangel. Dies hängt weniger mit individuellen Fehlentscheidungen zusammen, sondern mehr mit den Bedingungen, unter denen Menschen leben: Verfügbarkeit und Preisgünstigkeit von Lebensmitteln spielen eine entscheidende Rolle. Eine Ausnahme bildet Salz, das in vielen verarbeiteten Produkten enthalten ist und weltweit übermäßig konsumiert wird.
Im Vergleich schneidet die Schweiz relativ gut ab. Allerdings weist die Studie darauf hin, dass reichere Länder wie die Schweiz eigene Probleme mit der Ernährung haben, beispielsweise hohen Konsum von rotem Fleisch oder Salz.
Die Herzsterblichkeit ist zwar seit Jahrzehnten rückläufig, jedoch nicht ohne Anstrengungen. Die Zunahme verarbeiteter Lebensmittel und das steigende Übergewicht verschärfen die Situation: Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind bereits über ein Drittel der Schweizer Bevölkerung übergewichtig oder adipös, was das Risiko für Herzkrankheiten erhöht.
Salzverbrauch ist besonders problematisch. Die Schweizer Salz-Studie des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit (BLV) zeigt, dass der Durchschnittskonsum bei 8,7 Gramm pro Tag liegt – fast doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Ein großer Teil stammt aus Brot und verarbeiteten Produkten.
Ernährung lässt sich schwer messen. Methodische Herausforderungen bestehen darin, dass Menschen schlecht erinnern können, was sie gegessen haben. Zudem variiert die Definition von „gesunder Ernährung“ je nach Kultur und Verfügbarkeit lokaler Produkte.
Die Studie stützt sich auf das Global Burden of Disease-Projekt, das über 30 Jahre Krankheitsdaten weltweit erfasst. Doch auch hier bestehen Unsicherheiten, da viele Länder keine verlässlichen Ernährungsdaten haben.
Beim Verzehr von Obst und Gemüse liegt das Problem in den unzureichenden Mengen trotz Verfügbarkeit: Nur 18 Prozent der Bevölkerung essen täglich fünf Portionen, wie eine Coop-Studie zeigt. Auch Hülsenfrüchte fehlen häufig auf dem Speiseplan, obwohl sie effektive Herzschützer sind.
Um das Risiko für Herzkrankheiten zu minimieren, empfehlen Experten: Mehr Vollkornprodukte statt Weißmehl, regelmäßiger Verzehr von Nüssen und Früchten sowie bewussterer Umgang mit Salz in verarbeiteten Lebensmitteln. Die Herausforderung besteht darin, mehr zu sich zu nehmen als wegzulassen.