Bislang hatte die Medizin nur eingeschränkte Möglichkeiten, das Gewicht nach einer Diät zu stabilisieren. Eine neu veröffentlichte Studie zeigt jedoch alternative Ansätze auf, deren Potenzial noch erforscht werden muss. Das Abnehmen war auch vor dem Aufkommen von Präparaten wie Wegovy und Mounjaro möglich, etwa durch Intervallfasten oder traditionelle Diäten. Pharmafirmen wie Novo Nordisk und Eli Lilly haben nun Menschen, die solche Methoden als zu schwierig empfanden, unterstützt. Doch auch die neuen GLP-1-Rezeptor-Agonisten können das Problem des Langzeit-Schlankbleibens nicht lösen: Die Patienten müssen selbst dafür sorgen. Nach einer Diät arbeitet der Körper oft gegen den Gewichtsverlust, indem er das Hungergefühl erhöht und den Energieverbrauch senkt. Ergebnis: Nach drei bis fünf Jahren gewinnen mehr als die Hälfte wieder an Gewicht – oder sogar mehr. Nutzer von Abnehmspritzen müssen diese deshalb lebenslang verwenden, um ihre neue Figur zu halten. “Schlank zu bleiben ist eine große Herausforderung”, sagt Joachim Mertens vom Gastro-Zentrum Klinik Hirslanden in Zürich. Neben Spritzen haben Ärzte oft nur wenig anzubieten: Beratungen und Verhaltenstherapien zur langfristigen Änderung von Ess- und Bewegungsverhalten, doch “ansonsten ist es ziemlich dünn”. In der Fachzeitschrift “Nature Medicine” berichten Forscher über eine vielversprechende Alternative. Ellen Blaak von der Universität Maastricht verwendete bei Studienteilnehmern abgetötete Bakterien, die vermutlich im Darmmikrobiom positiv wirken. Ein Protein aus der Mikrobe Akkermansia muciniphila lässt Darmzellen enger zusammenrücken. Dadurch wird es ungesunden Stoffen schwerer, in den Körper vorzudringen, was eine antientzündliche Wirkung hat und sich positiv auf das Gewicht auswirken könnte. “Adipositas ist auch eine entzündliche Erkrankung”, erklärt Joachim Mertens. Darmbakterien spielen dabei eine Schlüsselrolle, da Hormone im Fettgewebe die Mikrobiom-Zusammensetzung verändern und so Entzündungen fördern können, was zur Fetteinlagerung beiträgt. Akkermansia könnte dieses Wechselspiel unterbrechen. Rima Chakaroun von der Universität Leipzig weist darauf hin, dass das Bakterium möglicherweise die mikrobielle Gemeinschaft stabilisiert und nützliche Mikroben unterstützt sowie schädliche Keime in Schach hält. In der Studie spielte dieser Effekt jedoch keine Rolle, da nur pasteurisierte, tote Bakterien verwendet wurden. Die Forscher stellten fest: Je weniger Gewicht die Teilnehmer zulegten, desto mehr Energie wurde über den Darm ausgeschieden – ein Hinweis darauf, dass das Präparat die Aufnahme von kalorienreichen Kohlenhydraten verringern könnte. Akkermansia muciniphila hat bereits in Tierversuchen gezeigt, dass es Mäuse vor Gewichtszunahme schützen kann. Die Studie mit 42 Probanden bestätigte ähnliche Ergebnisse am Menschen: Teilnehmer, die das Präparat erhielten, nahmen im Schnitt nur 1,2 Kilogramm zu, während die Placebogruppe 3,2 Kilogramm zunahm. Stark profitierten jene mit geringem Akkermansia-Anteil im Darm. “Der Unterschied zwischen den Gruppen ist klinisch nicht sehr groß”, sagt Rima Chakaroun. Die Therapie ist daher kein sofortiges Allheilmittel, sondern ein vielversprechender Schritt in neue Forschungsfelder. Sie zeigt die Möglichkeit einer Gewichtsstabilisierung durch Mikrobiom-Behandlungen. Chakaroun schlägt kombinierte Therapien vor: Mehrere Bakterienarten gleichzeitig beeinflussen, wie Hafnia alvei, das sättigungsähnliche Stoffe herstellt, oder Ruminococcus torques, der braunes Fettgewebe aktiviert. Solche Kombinationen könnten größere Effekte erzielen als Akkermansia allein. Doch nur vier bis sechs Prozent des Körpergewichts werden dem Einfluss des Darmmikrobioms zugeschrieben.